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title: "Fred Kogel: \"Ich war immer mit Herzblut dabei\""
description: Fred Kogel reflektiert über 45 Jahre Medienentwicklung, die Herausforderungen der Branche und die Zukunft der Kreativwirtschaft im digitalen Zeitalter.
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# Fred Kogel: "Ich war immer mit Herzblut dabei"

 22\. Oktober 2026

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Von   
[Petra Schwegler](https://blog.medientage.de/author/petra-schwegler)

Thema  
[Medien](https://blog.medientage.de/tag/medien), [TV](https://blog.medientage.de/tag/tv), [Produktion](https://blog.medientage.de/tag/produktion)

*Vom Radio-DJ zum Medienmanager, der die Branche mitgestaltet hat: Anlässlich der 40. MEDIENTAGE München blickt LEONINE-CEO Fred Kogel im Gespräch mit dem MTM Blog  auf viereinhalb Jahrzehnte Medien und Medienwandel zurück: von den Anfängen des Privatradios bis zur Frage, was KI für die Kreativwirtschaft bedeutet. Und er wagt einen Blick in die Medienlandschaft der Zukunft. Der erfahrene Manager war bei den [#MTM40](https://medientage.de/programm/) im Rahmen des [TV-Gipfels](https://medientage.de/programm/panel/?id=877)zu sehen.* 

 

**Herr Kogel, welche Entwicklung hat die Medienbranche seit Ihrem Start in den 1980er-Jahren am stärksten verändert?**

Früher musste und konnte man Professionalität in den einzelnen Teilbereichen Schritt für Schritt erwerben. Diese Zeit hat man heute durch die Spezialisierung nicht mehr. Die größte Veränderung ist für mich, dass die gesamte Wertschöpfungskette noch mehr zusammengewachsen ist. Produktion, Distribution, Lizenzgeschäft und Finanzierung lassen sich kaum noch getrennt voneinander denken. Als Produzent und Distributor wird man heute zwangsläufig auch Mitfinanzierer, dafür braucht es Größe und starke Partner bei Streamern und Sendern.

Als wir LEONINE im Januar 2018 entwickelt und 2019 gestartet haben, war genau das die Idee: ein modernes Medienhaus für das digitale Zeitalter zu schaffen, das die gesamte Verwertungskette abdeckt. Bei LEONINE kann ich heute meine Erfahrungen aus 45 Jahren Medienarbeit zusammenbringen.

 

**An welchen Stellschrauben gilt es zu drehen, um Medien zukunftsfähig zu machen?**

Wir müssen Kreativität mit unternehmerischer Disziplin und modernen Management-Skills verbinden. Aus eigener Erfahrung in den letzten Jahren weiß ich, dass sich dies auszahlt. Man kann sich nicht mehr darauf verlassen, dass regelmäßig Aufträge eingehen. Wer nur auf ein Geschäftsmodell und ein Genre setzt, bekommt Probleme.

> Als Medienunternehmen muss man diversifizieren. Dieser Schritt erfordert Größe, Sachverstand, Mut und finanzielle Schlagkraft.
> 
> *Fred Kogel, LEONINE*

Ein Gegenmodell, das funktionieren kann, sind kleine, feine Spezialisten-Units oder Startups, die Premium-Kreativleistung an größere Produzenten oder Sender verkaufen. Schwierig wird es im mittleren Segment des Produktionsgeschäfts.

 

**Sie sind einst beim BR gestartet. Sie studierten Jura und Politikwissenschaft. Was hat Sie in den 1980er-Jahren dazu bewogen, Ihre Karriere im Radio zu beginnen?**

Die Liebe zur Musik! Ich bin in der Blütezeit von Pop, Rock und Funk in den 70er Jahren groß geworden. Als Musikfanatiker habe ich im Teenageralter als Discjockey Platten aufgelegt. Am 2. Januar 1981 durfte ich beim Bayerischen Rundfunk auf Bayern 3 meine erste Sendung moderieren, gemeinsam mit Fritz Egner in Nachfolge von Thomas Gottschalk.

So habe ich mir vier Jahre lang zusammen mit Diskotheken-Jobs mein Studium finanziert. 1985 bin ich freiwillig ausgeschieden, habe als 24-Jähriger Privatradio aufgebaut und parallel 1985 das Jurastudium mit dem Ersten Staatsexamen beendet. Ich wurde Assistent der Geschäftsleitung bei Constantin Film und Bernd Eichinger, die die Radioaktivitäten finanzierten.

 

**Welches Medium würde der Newcomer Fred Kogel im Jahr 2026 auswählen?**

Für mich hatte und hat das gesprochene Wort, vor allem zusammen mit Musik, immer etwas Missionarisches. Deswegen würde ich heute als Berufseinsteiger wahrscheinlich einen Podcast machen. Und wäre ich nochmal Anfang zwanzig, würde ich wohl Content Creator werden.

Ich hatte in meinen Berufsanfängen ein gewisses Sendungsbewusstsein und wollte anfangs im Radio jeden Tag senden, durfte beim BR aber durchschnittlich nur ein- bis zweimal pro Woche on Air. Als Podcaster oder Creator wäre ich wohl dreimal täglich rausgegangen (schmunzelt).

 

**War früher "mehr Lametta" im Medienzirkus?**

Ganz im Gegenteil: Es war zunächst einmal unglamourös. "Meine“ ersten Sender, Radio 44 und später Radio Xanadu, gingen 1985 zunächst nur im Kabel an den Start. Zu Beginn kannte ich jeden Hörer persönlich.

Als hier in München die ersten Privatradiofrequenzen auf UKW vergeben wurden, teilten wir uns die 92,4 MHz mit drei weiteren Anbietern. Jeder hatte feste Sendezeiten, seine eigene Werbeakquise, keiner hat genug verdient, aber alle waren enthusiastisch.

> Das war auch ein Lernprozess für die Medienpolitik: Eine Frequenz trägt wirtschaftlich nur einen Anbieter.
> 
> *Fred Kogel, LEONINE*

Für meine Generation war es trotzdem eine perfekte Zeit, weil wir alle medialen Entwicklungen als Vorreiter miterlebt haben.

 

**Haben Sie eine Karrierephase besonders genossen?**

Ich war immer mit Herzblut dabei! Anders hält man führende Positionen über vier Jahrzehnte nicht durch. Mein Tipp: Das machen, was Spaß macht. Alles andere kommt von allein.

Rückblickend waren die schönsten Phasen die sechs Jahre als Sat.1-Geschäftsführer, extrem intensiv bis zur Gründung der ProSiebenSat.1 Media AG, meine Produktionsjahre gemeinsam mit meinem Partner Harald Schmidt in der Kogel & Schmidt GmbH mit der "Harald Schmidt Show“ und mit hundertprozentiger Sicherheit die letzten acht Jahre bei LEONINE mit KKR und Mediawan als Partner. Wir haben zusammen etwas aufgebaut, das ich mir 2017 nicht zu erträumen gewagt hätte. Wir sind seit fünf Jahren in Folge das größte integrierte Produktions- und Distributionshaus in Deutschland.

 

**Welche Menschen oder Wegbegleiter haben der Branche ihren Stempel aufgedrückt?**

Besonders wichtig waren für mich: der ehemalige ZDF-Intendant Dieter Stolte, der mich früh – als 32-Jährigen – in die Programmleitung Unterhaltung des ZDF holte. Bernd Eichinger darf in dieser Reihe nicht fehlen – bis heute einer der prägendsten deutschen Filmproduzenten. Und natürlich Leo Kirch an der Schnittstelle von Fernsehen, Lizenzen und Produktion.

Zudem bedeutend: Helmut Thoma in den Anfangstagen des Privatfernsehens, John de Mol mit seiner Kreativität und seinen weltweit erfolgreichen Formatkonzepten und Gerhard Zeiler, der beim ORF startete und eine Weltkarriere gemacht hat.

 

**Welche Fehler der letzten 40 Jahre dürfen Medienschaffende auf keinen Fall wiederholen?**

Fehler der Vergangenheit interessieren mich wenig und nur unter dem Gesichtspunkt: Learnings. Das waren meist Individualentscheidungen, wo man Dinge ausprobiert hat.

Ich hatte bei Sat.1 zum Beispiel einmal "volle Stunde, volles Programm" ausgerufen, weil ich dachte, ich könnte um 20 Uhr mit glatten Uhrzeiten gegen die "Tagesschau" im Ersten bestehen. Idee richtig, den Zuschauern mit runden Startzeiten bessere Orientierung zu geben. Gewöhnungsfaktor unterschätzt, abgehakt.

Entscheidender ist die Gegenwart: Man darf auf keinen Fall die Geschwindigkeit der aktuellen Medienentwicklung unterschätzen. Die Haltung, "es wird schon wieder, der nächste Auftrag kommt sicher", funktioniert nicht mehr. Man muss die Kraft haben, sich ständig neu zu erfinden und dafür auch klare und oft harte Entscheidungen zu treffen.

 

**KI ist Teil dieser Geschwindigkeit. Wie schätzen Sie Potenzial und Gefahr der Künstlichen Intelligenz ein?**

Mit LEONINE investieren wir bereits seit einigen Jahren stark in KI, entlang zweier Stränge: die interne Nutzung im Arbeitsalltag und die Produktion selbst. Dort arbeiten wir heute mit KI bereits für Spezialeffekte und Reenactments.

> In zwei Jahren kommen die ganz großen Qualitätssprünge und die Möglichkeit, ganze Produktionen in höchster Qualität zu realisieren.
> 
> *Fred Kogel, LEONINE*

Wer diese Möglichkeiten nicht nutzt, bekommt den Auftrag künftig nicht mehr. Gleichzeitig braucht es klare Regeln: für Kennzeichnung, Urheberrechte, Trainingsdaten und den Schutz vor Missbrauch. Die KI wird Arbeitsweisen und Rollen verändern. Aber ich glaube fest an die Kraft der menschlichen Kreativität: entscheidend bleibt die Idee, die Haltung und die Verantwortung für das Ergebnis.

 

**Was sagt Ihnen Ihre Glaskugel für die Medienlandschaft im Jahr 2066?**

In den Medien kann man maximal drei bis fünf Jahre vorausblicken! Zu sehen ist: Das Kino als Event-Ort für das gemeinsame Erleben wird noch lange Bestand haben. Auch lineares Fernsehen hält sich länger als gedacht. Dort wird auch noch viel Geld verdient. Verluste hier können nicht automatisch und mit gleichem Tempo in den digitalen Medien aufgefangen werden. Die öffentlich-rechtlichen Sender und große etablierte Medienmarken werden mit Information und Schlüsselmarken relevant bleiben, weil sie in einer unübersichtlichen Welt Orientierung und Sicherheit bieten können.

Die größte Herausforderung wird sein, bei der Flut an Inhalten noch das gemeinsame Medienerlebnis zu finden. Das existiert vor allem beim Sport, der in den nächsten fünf bis zehn Jahren eine zentrale Rolle spielen wird, weil er Dramaturgie und Emotion von sich aus mitbringt.

> Prägende TV-Persönlichkeiten wie Thomas Gottschalk, Günther Jauch oder Harald Schmidt aus der Zeit riesiger Reichweiten wird es so nicht mehr geben.
> 
> *Fred Kogel, LEONINE*

Joko und Klaas, Barbara Schöneberger und Kai Pflaume gehören möglicherweise zu den letzten Persönlichkeiten dieser Generation. Populäre Creators, die enorme Reichweiten bei YouTube oder Social Media erzielen, können in den Massenmedien diese Quoten nicht erreichen.

In den nächsten Jahren wird es weitere Konsolidierungen geben. Und angesichts der Content-Flut wird punktgenaue Kuratierung entscheidend, damit das Publikum gute und passgenaue Inhalte überhaupt noch findet.

*Zur Person:*  
*Fred Kogel ist seit 2019 CEO der LEONINE Studios, die er im gleichen Jahr gemeinsam mit dem Private Equity Investor KKR gründete. Die Unternehmensgruppe bildet die gesamte Wertschöpfungskette des Bewegtbildmarktes ab und hat sich unter Kogels Leitung zur führenden unabhängigen Produktions- und Distributionsgruppe im deutschsprachigen Raum entwickelt. Zu LEONINE Studios gehören Produktionsmarken wie beetz brothers film production, hyperbole, i&u Studios, LEONINE Documentaries, Madame Zheng Production, Odeon Fiction, SEO Entertainment, Toon2Tango und Wiedemann & Berg. Auch im Distributions-Bereich nimmt LEONINE Studios eine herausragende Position im deutschen Markt ein und ist mit einem sorgfältig kuratierten Programm von jährlich rund 30 Kinofilmen der Nr. 1 Independent-Verleih in Deutschland.*   
*Mit über 35 Jahren Erfahrung zählt Fred Kogel zu den profiliertesten Medienmanagern und Produzenten Deutschlands. Er feierte große Erfolge als Produzent bedeutender Fernsehereignisse wie "Wetten, dass...?"(1991–1995) oder der von ihm gemeinsam mit Harald Schmidt produzierten erfolgreichen "Late Night Show" für ARD, Sat.1 und Sky (2004–2011). Als ZDF-Unterhaltungschef, Programmgeschäftsführer und Vorstand von Sat.1 sowie als CEO der Constantin Film AG prägte er die Branche nachhaltig und baute Medienunternehmen erfolgreich aus.   
Für seine unternehmerischen Verdienste wurde Fred Kogel u. a. mit dem "European Distributor of the Year Award“ des internationalen Kinoverbandes UNIC und der Film Expo Group, dem „Game Changer Award“ des Zurich Film Festivals und dem Variety „International Achievement in Film Award“ ausgezeichnet. Fred Kogel ist seit 2021 Mitglied im Gesamtvorstand der Produktionsallianz.*

 

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