Medientage München - Blog

Faktencheck im Klassenzimmer

Geschrieben von Lisa Priller-Gebhardt // BLM | 31. August 2026

Im Oktober wird erstmals der Bayerische Schulpreis zur Wissenschaftswoche verliehen. Das Thema: „Fakt oder Fake. Information und Desinformation in den digitalen Medien“. Schüler:innen zahlreicher bayerischer Gymnasien haben mitgemacht.
Initiator York-Gothart Mix erklärt, warum Medienkompetenz und wissenschaftliches Arbeiten zusammengehören – und was Fake News mit gepanschtem Honig und Cicero zu tun haben.

 

 
„Das Ausmaß der Fake News, die das Netz fluten, hat eine Größenordnung erreicht, die kein Bagatellschaden mehr ist“, sagt York-Gothart Mix. Der emeritierte Professor für Komparatistik der Universität Marburg und Vorstandsvorsitzende der Gesellschaft der Freunde der Bayerischen Akademie der Wissenschaften sieht vor allem junge Menschen vor einer Herausforderung: Sie seien mit „gigantischen Informationsmaschinen“ konfrontiert, ohne eine Ahnung zu haben, welche Interessen deren Betreiber verfolgen, welche Informationen zuverlässig sind und welche persönlichen Konsequenzen die Nutzung haben kann.

Gleichzeitig sind Social-Media-Angebote, Messenger-Dienste und Videoplattformen für viele Jugendliche die wichtige Nachrichtenquellen. Das zeigen unter anderem auch die Ergebnisse des Reuters Institute Digital News Reports 2025 oder des aktuellen Freizeit-Monitors. „Medienkompetenz ist daher unerlässlich“, sagt Mix.

So entstand die Idee für den Bayerischen Schulpreis 2026 zur Wissenschaftswoche. „Wir wollten in der Schule ansetzen und dort das kritische Bewusstsein und das Interesse für wissenschaftliches Arbeiten aktivieren. Vor allem auch in Regionen, die nicht an den Wissenschaftsdiskurs der Universitätsstädte angebunden sind“, sagt Mix.

 

Fakten prüfen statt einfach glauben

„Fakt oder Fake. Information und Desinformation in den digitalen Medien“ lautete das Thema, mit dem sich Schüler:innen der 11. Jahrgangsstufe während der Wissenschaftswoche auseinandersetzten. Sie widmeten sich in Kleingruppen eine Woche lang einer Thematik und untersuchten sie mit wissenschaftlichen Methoden.

Das Besondere: Der Wettbewerb ist fächerübergreifend angelegt. Ob Chemie, Biologie, Geschichte, Sozialkunde oder Latein – die Jugendlichen konnten aus ganz unterschiedlichen Perspektiven untersuchen, wie Fakten entstehen, Behauptungen überprüft und vermeintliche Gewissheiten widerlegt werden.

Ein solches Vorhaben steht und fällt auch mit den Schulen, erläutert der Professor, der außer der Bayerischen Akademie der Wissenschaften auch den Bayerischen Philologenverband (Motiv: BPV) als Bündnispartner gewinnen konnte. Eine Lehrerin kündigte nach der Ausschreibung begeistert an, mit ihrer Klasse belegen zu wollen, wie viele Fake News bereits Cicero in seinen Reden verbreitet habe.

 

Von gepanschtem Honig bis KI-Musik

Die Bandbreite der Ergebnisse, die als Text, Podcast oder Video eingereicht wurden, sorgte für Begeisterung. „Die Resultate sind so vielfältig wie verblüffend“, so Mix (Foto: privat). Da ging es nicht nur um Deepfakes in anerkannten Texten, sondern auch um trügerische Werbung für Kosmetika, so genannte Naturprodukte, KI in der Musik oder erhöhte Nitratwerte im Wasser. „Die Themen stammen aus der Erfahrungswelt der Schüler:innen“, so der Hochschullehrer. Genau das habe für einen hohen Aktivierungsfaktor gesorgt.

So untersuchten die Jugendlichen etwa, ob Honig tatsächlich so „rein“ ist, wie es das Etikett verspricht, ob ein Song von einem Menschen oder einer Maschine komponiert wurde oder dass ein von der Tourismuswerbung als idyllischer Bach beschriebenes Gewässer erheblich mit Nitrat belastet ist.

Im letzten Fall blieb es nicht bei der Analyse. Die jungen Forschenden wandten sich an Vertreter:innen aus Land- und Forstwirtschaft und initiierten damit eine Diskussion. York-Gothart Mix: „Annahmen zu überprüfen, zu be- oder widerlegen, hat die Beteiligten in hohem Maße motiviert.“

Eine Gruppe beschäftigte sich auch mit dem Ost-West-Diskurs. Die Schüler werteten zahlreiche Quellen und Recherchen aus und untersuchten, wie Stereotype entstehen und durch mediale Berichterstattung weitergetragen werden. „Dieses Thema tangiert unsere Demokratie in zunehmendem Maße“, betont Mix.

 

Wenn Medienkompetenz zur Demokratiekompetenz wird

Der Wettbewerb trifft damit auf eine Entwicklung, die in Bayern bereits seit Jahren vorangetrieben wird. Ein Beispiel ist der Medienführerschein Bayern, eine Initiative der Bayerischen Staatsregierung, die von der BLM Stiftung Medienpädagogik Bayern koordiniert wird.

Mit kostenlosen Materialien lernen Kinder und Jugendliche unter anderem, Quellen und Fake News zu beurteilen, Werbung und Inszenierungen in sozialen Medien zu durchschauen sowie mit Datenschutz, Privatsphäre und Urheberrechten umzugehen.

„Ich halte das für eine sehr gute und konstruktive Initiative, um ein essenzielles Problem anzugehen“, sagt Mix über den Medienführerschein. Für ihn gehören Medienbildung und wissenschaftliches Denken letztlich zusammen: Wer gelernt hat, Quellen zu hinterfragen, Annahmen zu überprüfen und zwischen Behauptung und Beleg zu unterscheiden, ist weniger anfällig für Desinformation.

 

Preisverleihung in der Münchner Residenz

Den Abschluss der Premiere bildet die Preisverleihung am 16. Oktober 2026 in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, dort werden die drei besten Schülerinitiativen ausgezeichnet. Das Preisgeld von insgesamt 15.000 Euro stiftet die Wirtschaftskanzlei A&O Shearman.

Bleibt der Schulpreis ein einmaliges Projekt? Initiator York-Gothart Mix geht von einer Fortsetzung aus: „Alle Beteiligten wollen, dass der Preis künftig alle zwei Jahre vergeben wird.“

 

Die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM) veröffentlicht regelmäßig Beiträge zu fachspezifischen Themen im Blog der MEDIENTAGE MÜNCHEN. Die MEDIENTAGE MÜNCHEN sind eine Initiative der Medien.Bayern GmbH – einer Tochtergesellschaft der BLM.

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