Für die Medienbranche ist Künstliche Intelligenz ein Gamechanger. Sie bestimmt aber auch immer stärker, wie und welche Information bei den Usern ankommt. Missbrauch muss ausgeschlossen werden. Gerade deshalb ist eine funktionierende Regulierung so wichtig. Für die Aufsicht über KI-Systeme, die zu journalistischen und Werbezwecken eingesetzt werden, sollen laut Beschluss des Bundeskabinetts nun die Medienanstalten zuständig sein.
Aus dem Gebot der Staatsferne in der Medienaufsicht folgt, dass die Bundesnetzagentur als staatliche Behörde dafür nicht in Frage kommt. Deshalb hat der Bundesgesetzgeber bei der nationalen Umsetzung der europäischen KI-Verordnung (KI-VO) für den sensiblen Medienbereich bewusst eine Ausnahme gemacht. Danach sind „die nach Landesrecht zuständigen Behörden", also die Medienanstalten, zur Marktüberwachungsbehörde im Sinne der KI-VO bestimmt worden.
Das stärkt die unabhängige Medienaufsicht durch die Länder, konkretisiert medienspezifische Transparenzpflichten wie beispielsweise die Deepfake-Kennzeichnung, und sichert die Medienvielfalt im digitalen Raum.
Damit ist eine Regelung getroffen worden, die Doppelzuständigkeiten vermeidet und den Grundsatz der Staatsferne in der Medienaufsicht wahrt. Im Vorfeld des Beschlusses zur Umsetzung der KI-VO haben die Länder, die Branche und auch die Medienanstalten ihre Expertise zu diesen Fragen eingebracht.
Die Medienanstalten kennen die Branche und die Unternehmen kennen sie als ihre bisherigen Ansprechpartner. Gerade, wenn es um Vertrauen in KI-Anwendungen geht und die Übernahme von Verantwortung, sind Medien mit journalistischen Inhalten eben nicht mit einem KI-gesteuerten Operationsroboter zu vergleichen. Sie brauchen Freiheit und Innovationspotenzial durch den Einsatz von KI-Tools. Diese beiden Ziele werden wir bei der Bewertung von KI-Angeboten als „Marktüberwachungsbehörde“ in Einklang bringen.
Unabhängige Aufsicht, Expertise und Innovationswillen: Das sind die Erfolgsfaktoren, die Medienunternehmen in Deutschland brauchen, damit sie nicht den Anschluss verlieren und sich im Wettbewerb mit den globalen Tech-Plattformen behaupten können.
KI-Expertise und Innovation für die Medienbranche rechtssicher zu ermöglichen, gehört zu den zentralen Zielen des 2025 gegründeten KI.Kompetenzzentrum Medien (KI.M) in Bayern, einer Initiative der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien unter dem Dach der Medien.Bayern, gefördert durch die Bayerische Staatskanzlei.
Herzstück des KI.M ist das KI-Reallabor. Es bietet einen geschützten Raum, um KI-Anwendungen für die Medienbranche unter realen Bedingungen zu testen, bevor in Lösungen investiert wird: rechtssicher und praxistauglich. Denn gerade kleinen und mittelständischen Medienunternehmen fallen die hohen Investitionen in Künstliche Intelligenz nicht leicht. Die im Labor entwickelten Prototypen stehen dann grundsätzlich allen Medienunternehmen zur Verfügung.
Damit schließt sich der Kreis zur staatsfernen KI-Aufsicht durch die Medienanstalten als eigenständige Marktüberwachungsbehörde im Medienbereich. Denn in der Umsetzung der KI-Verordnung ist auch die Einrichtung eines KI-Reallabors vorgesehen, das für alle anderen Branchen bei der Bundesnetzagentur angesiedelt sein wird. Mit dem KI.M ist Bayern bereits in Vorleistung gegangen, um Chancen auszuloten und gleichzeitig Expertise für die rechtssichere Anwendung zur Verfügung zu stellen.
Zur Person:
Die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM) veröffentlicht regelmäßig Beiträge zu fachspezifischen Themen im Blog der MEDIENTAGE MÜNCHEN. Die MEDIENTAGE MÜNCHEN sind eine Initiative der Medien.Bayern GmbH – einer Tochtergesellschaft der BLM.
Das neue MTM SPECIAL AI & MEDIA zu Künstlicher Intelligenz in der Bewegtbild-Branche findet am 21. und 22. April 2026 in der HFF München statt. In Keynotes, Panels und Masterclasses geht es um aktuelle Anwendungen, rechtliche Fragen und neue Perspektiven für den Einsatz von KI in der Medien- und Filmproduktion. Tickets? Gibt es hier.
Interessiert an Themen rund um die Medienbranche? Dann ist hier im Blog der MEDIENTAGE MÜNCHEN noch mehr Lesenswertes zu finden. Zudem können zahlreiche Medienthemen auch gehört werden: im Podcast "This is Media NOW".