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Wie steht es um die Cybersicherheit der Medien?

Geschrieben von Petra Schwegler | 03. Februar 2026

Wenn der Bildschirm schwarz wird, steht nicht nur der Redaktionsschluss oder der Sendebetrieb auf dem Spiel, sondern die Glaubwürdigkeit ganzer Medienmarken. Diverse Vorfälle in den vergangenen Jahren machen deutlich, warum die Sicherheit von IT-Systemen zur neuen Programmdirektion und Media Cybersecurity zum Muss werden. Ein Trend, den das MedienNetzwerk Bayern bei einem Event hervorgehoben hat.

 

Stellen wir uns vor, die Morgenschicht im Sender startet, die erste Kaffeetasse ist noch halb voll – und plötzlich sind alle Bildschirme schwarz. Das Team hat keinen Zugriff auf Playout‑Software, auf Redaktionssysteme oder Mails.

Was früher nach Hollywood‑Plot klang, ist für digitalisierte und voll vernetzte Medienhäuser inzwischen ein sehr realistisches Szenario. Cyberangriffe treffen längst nicht mehr nur Wirtschaftkonzerne. Medien und ihre Studios, Newsrooms und Produktionsketten gelten heute als "Einfallstore für Hacker“.

Ein recht frisches Beispiel, das die Branche aufgerüttelt hat, ist der umfassende Hackerangriff auf Radio Arabella und Arabella Bayern in München. Innerhalb kürzester Zeit waren im November 2025 Studiorechner und Monitore betroffen, der Livebetrieb stand auf der Kippe. Dass der Sender trotzdem on Air bleiben konnte, lag nicht am Glück, sondern an Vorbereitung: Bereit standen ein Cloud‑Studio, alternative Zuspielwege und klare Notfallprozesse. Die empfohlene Cyber‑Resilienz war hier bereits gelebte Praxis.

Leider mussten andere "Vorreiter" sein: Im Januar 2024 wurde das lokale Donau 3 FM in Ulm von Hackern ausgeschaltet. Die Attacke der Cyberkriminellen konnte der Radiosender zunächst im Notbetrieb mit einem Switch zu gelernter analoger Sendetechnik und zu archivierten Musik-CDs aushebeln. 

 

Wenn Hacker Medien ausknocken

Auf der anderen Seite gibt es die Fälle, in denen ein Angriff komplette Häuser ins Stolpern gebracht haben. Bei Verlagen wie der Heilbronner Stimme oder dem Hamburger Abendblatt legten Hacker Redaktionssysteme lahm, Zeitungen konnten zeitweise nicht oder nur als Notausgabe erscheinen – ein direkter Eingriff in die publizistische Handlungsfähigkeit. Deren IT‑Infrastruktur brauchte im Nachgang Tage oder Wochen, um sich zu erholen, wie im Fall der Hamburger kurz vor Weihnachten 2020. Nach der Cyberattacke mit russischem Absender, bei der sogar Lösegeld gefordert worden war, musste das Abendblatt im Nachgang Tausende Computer austauschen.

Geld, aber auch Vertrauen in die Marke gingen damit verloren. Denn plötzlich werden Fragen akut, die weit über IT hinausgehen: Wie Medien ihr Versprechen an das Publikum? Wie schützen sie ihre Glaubwürdigkeit, wenn Systeme manipuliert oder Inhalte blockiert werden können?

Hier verschiebt sich der Fokus: Cybersicherheit ist für Medien kein reines Technikthema mehr, sondern eine strategische Vertrauensfrage. Wenn Inhalte manipuliert, Daten abgegriffen oder Workflows sabotiert werden, trifft das den Kern des journalistischen Versprechens. In einer Umgebung, in der Desinformation, Deepfakes und KI‑generierte Fakes Alltag werden, kann sich kein Haus erlauben, bei der eigenen Sicherheit nachlässig zu sein. Wer seine Infrastruktur nicht schützt, öffnet im Zweifel auch die Tür für Zweifel an der eigenen Integrität.

 

Umfassende Bedrohung für Wirtschaft und Medien

Der Druck von außen steigt. Laut Branchenumfragen sehen über 90 Prozent der Unternehmen eine wachsende Bedrohungslage im Cyberraum, Ransomware bleibt eine der zentralen Gefahren. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik spricht seit 2023 von einer "angespannten bis kritischen Lage“ der IT‑Sicherheit in Deutschland, getrieben dadurch, dass immer mehr System digitalisiert und vernetzt sind. Für Medienhäuser heißt das: Jede Cloud‑Schnittstelle oder jedes zusätzliche Remote‑Studio ist nicht nur Effizienzgewinn, sondern auch potenzielle Angriffsfläche.

Die Datenlage, wie sie das MedienNetzwerk Bayern präsentiert hat (Quelle: DsiN Sicherheitsindex) 

Cybersecure Media bedeutet deshalb mehr als Firewalls und Virenscanner. Es geht um eine Architektur, in der Sicherheit von Anfang an mitgedacht wird: vom Studiodesign über die Wahl der Cloud‑Provider bis hin zu Redaktionsprozessen und Rechte‑Management. Dazu gehören regelmäßige Backups, segmentierte Netze, klare Notfallpläne – vor allem aber geschulte Mitarbeitende, die Phishing‑Mails erkennen, mit Passwörtern umgehen können und wissen, was im Ernstfall zu tun ist.

Studien zeigen, dass viele Häuser zwar in Technik investieren, aber Schulung und Kulturwandel oft hinterherhinken. Mit KI wird es beispielsweise noch leichter, Unternehmen mit Phishing‑Mails zu fluten. Hinzu kommt der genaue Blick auf IT-Dienstleister; Hacker hatten beispielsweise über Dritte einen Trojaner ins Umfeld der Nachrichtenagentur dpa eingeschleust.

 

Besser offen darüber sprechen ...

Der zweite Baustein ist Transparenz. Wer im Fall eines Angriffs schweigt, verliert schnell die Deutungshoheit – und damit Vertrauen. Medienmarken, die offen mit Störungen umgehen, Angriffe einordnen und erklären, wie sie sich künftig besser schützen, stärken ihre Glaubwürdigkeit sogar.

So wird Cyber‑Resilienz zur kommunikativen Chance. Motto: „Wir sind angreifbar, aber wir sind vorbereitet – und wir lernen aus jedem Vorfall.“ Das Team von Arabella München um Senderchef Till Coenen hat es so gehalten.

Bei der Veranstaltung Medientrends 2026 des MedienNetzwerk Bayern wurde deutlich, dass die Sicherheit inzwischen als zentraler Hebel gilt, um wichtige Trends umsetzen zu können.

"IT-Security wandelt sich vom technischen Randthema zur existenziellen Strategiefrage. Anders als oft vermutet, stehen heute nicht mehr nur Konzerne im Visier, sondern die gesamte journalistische Lieferkette. Hackerangriffe zielen nicht mehr nur auf Daten, sondern auf die journalistische Integrität und den Sendebetrieb. Medienhäuser müssen ihre Resilienz stärken – denn Sicherheit ist das Fundament für all die oben genannten Trends."

Als Übertrends wurden für die Medientrends 2026 identifiziert:

Auch wenn die MTM als Konferenz bis zum 21. Oktober 2026 pausieren: Wir bleiben präsent! Die Zusammenfassungen wichtiger Panel-Diskussionen sowie Bildmaterial der 39. MEDIENTAGE MÜNCHEN stehen im Info-Bereich der MEDIENTAGE-Homepage und auch im MTM-Blog  bereit. Bilder für den Download (Quelle: Medien.Bayern GmbH/MEDIENTAGE MÜNCHEN) sind in der Mediathek zu finden.


Zudem können zahlreiche MTM-Themen gehört werden: im Podcast "This is Media NOW".