Fast elf Stunden am Tag. So lange nutzen Menschen ab 14 Jahren in Deutschland laut der aktuellen VAUNET-Analyse durchschnittlich Medien. Es wird dabei vor allem gehört und geschaut. Die Richtung ist klar: Es zieht uns weg vom linearen und hin zum selbstbestimmten Konsum. Die Details und der Vergleich zu anderen Studien.
Bei 10 Stunden und 53 Minuten hat sich unsere Mediennutzung in Deutschland im vergangenen Jahr eingependelt. Fast elf Stunden am Tag. Diese Zeit füllen wir mit Inhalten, nur mit welchen?
Laut der jetzt vorgelegten Mediennutzungsanalyse 2025 des Privatmedien-Verbands VAUNET (Methode und Quellen im verlinkten Papier zu finden) sind "Audio- und audiovisuelle Medien mit einem Anteil von 9,5 Stunden mit Abstand meistgenutzte Angebote", wie die Berliner mitteilen.
Vier Stunden und 19 Minuten hören wir im Schnitt täglich Audio – sechs Minuten mehr als im Vorjahr. Drei Stunden und neun Minuten davon entfallen auf das klassische Radiohören. Der Hörfunk bleibt damit das meistgenutzte Audiomedium in Deutschland. Dazu kommen 50 Minuten Musikstreaming.
Podcasts spielen demnach eine wachsende, aber noch begrenzte Rolle in der täglichen Mediennutzung: neun Minuten täglich laut VAUNET. Was sich verändert: Podcasts werden zunehmend auf Video-Plattformen wie YouTube konsumiert – nicht nur gehört, sondern auch geschaut. Eine Entwicklung, die die Grenze zwischen Audio und Video weiter verwischt. Zuletzt hat Apple verkündet, aufs Geschäft mit dem Hörgenre für die Augen zu setzen.
Beim Bewegtbild sieht es anders aus: Fünf Stunden und 19 Minuten täglich insgesamt glotzen wir – aber das klassische Fernsehen verliert weiter. Zwei Stunden und 55 Minuten Fernsehnutzung 2025: Das sind 13 Minuten weniger als 2024. Gleichzeitig legt Online-Video zu: eine Stunde und 43 Minuten täglich, fünf Minuten mehr als im Vorjahr. Hier wird deutlich, dass wir das Lineare zugunsten von Abrufinhalten immer mehr reduzieren, wobei die TV-Anbieter selbst rege im Streaming-Segment mitmischen.
Für VAUNET-Geschäftsführer Frank Giersberg geben die Ergebnisse Anlass für einen Appell an Werbungtreibende, zumal die Daten die gesellschaftliche Relevanz der klassischen Medienangebote als Gegenpol zu Desinformation und Fake News dokumentieren würden.
"Im Markt refinanzierte private Medienangebote sind dabei darauf angewiesen, dass sie im Wettbewerb mit den Big-Tech-Plattformen und beitragsfinanziertem Rundfunk faire Wettbewerbsbedingungen haben und ihre Finanzierungsgrundlagen in allen Bereichen hinreichend geschützt werden. Im Werbemarkt tragen alle Akteure gemeinsame Verantwortung für den Erhalt von unabhängigem Journalismus und demokratischen Medien. Dazu zählt auch die Allokation von Werbeinvestitionen in ‚Value Media‘-Umfelder“,
betont Giersberg. Er greift damit den Gedanken der Initiative 18 auf, die sich seit eineinhalb Jahren für das Verschieben von Werbespendings hin zu demokratiestiftenden Medien stark macht.
Die aktuelle VAUNET-Analyse bestätigt einen allgemeinen Trend, den die ARD/ZDF-Medienstudie 2025 vorgezeichnet hat, wenn auch in Nettowerten. Doch beide Werke erzählen dieselbe Geschichte: Es geht immer weiter weg vom Analogen und Linearen.
45 Prozent der Gesamtbevölkerung nutzen laut ARD und ZDF überwiegend non-lineare Videoangebote. Bei den 50- bis 59-Jährigen ist dieser Anteil im Vergleich zum Vorjahr sogar um zwölf Prozentpunkte gestiegen. Das Streaming erreicht also längst nicht mehr nur die Jungen.
Bei Audio zeigt sich: Vier von fünf Menschen über 30 hören Radio, zwischen 14 und 29 Jahren überwiegt der Anteil der Musikstreaming- und Podcast-Fans.69 Prozent der Altersgruppe greifen überwiegend auf nicht-lineare Angebote.
Nehmen wir noch den Online-Audio-Monitor 2025 (BLM u.a.) hinzu. Demnach nutzen 53 Millionen Menschen in Deutschland zumindest gelegentlich Online-Audio – so viele wie nie zuvor. Das Wachstum kommt dabei aus der Mitte: Bei den Über-50-Jährigen stieg die Nutzung um vier Prozentpunkte.
Podcasts erreichen 28 Prozent monatlich, das beliebteste Genre ist Politik und Gesellschaft. Und: Ein Drittel der Nutzenden vermutet, schon KI-generierte Audioinhalte gehört zu haben.
Wie sieht der globale Vergleich aus? Der Reuters Institute Digital News Report 2025 aus dem vergangenen Sommer liefert wichtige Ergänzungen zum Konsum von Information. Für die Nachrichtennutzung gilt: 66 Prozent der erwachsenen Online-Bevölkerung in Deutschland holen sich mindestens einmal pro Woche Nachrichten aus dem Internet. Die meistgenutzte Online-Nachrichtenquelle insgesamt sind soziale Medien wie YouTube (Platz 1 mit 18 Prozent) oder Facebook (15 Prozent) und der Meta-Messenger-Dienst WhatsApp (15 Prozent)
Beim Vertrauen sind deutsche Mediennutzer:innen vergleichsweise stabil: 45 Prozent der Befragten sagen, sie können dem Großteil der Nachrichten vertrauen. Öffentlich-rechtliche Medien und Lokal- sowie Regionalzeitungen genießen dabei das größte Vertrauen. Gleichzeitig sagt die Mehrheit: Menschlich produzierte Nachrichten sind vertrauenswürdiger als KI-generierte.
71 Prozent der deutschen Internetnutzer:innenr geben an, Nachrichten zumindest gelegentlich aktiv zu vermeiden. Der häufigste Grund: Viele Schlagzeilen drücken auf die Stimmung.
Die Medienlandschaft verändert sich, aber nicht so dramatisch und nicht so schnell, wie es manchmal den Anschein hat. Klassische und lineare Medien wie Radio und Fernsehen sind nicht tot. Aber sie verlieren langsam und kontinuierlich Boden an On-Demand-Angebote, die sie teils auch selbst aussenden.
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