Aus der Kinderzeitschrift wird eine Videoserie: Im Herbst startet Lissy PONY auf YouTube, in mehreren Sprachen. Produziert werden die Folgen mit dem KI-Modell FLUX 3 von Black Forest Labs und Sprachtechnologie von ElevenLabs. Im Interview erklärt Burda-Managerin Rebecca Gottwald, was die Modelle leisten, warum die redaktionelle Kontrolle beim Menschen bleibt und wie die KI-Plattform AISSIST das Unternehmen technologisch unabhängiger machen soll. Als Chief AI Officer des Medienhauses spricht bei den MEDIENTAGEN München 2026 im Rahmen des AI Summits.
Burda Media im Sommer 2026: Sie verkünden, dass Ihre Kindermarke Lissy PONY aus Print heraus nun per Video und Audio zum Leben erweckt wird und als Bewegtbildreihe im Herbst auf Deutsch, Französisch und Spanisch startet. Möglich macht dies das KI-Modell FLUX 3 von Black Forrest Labs und die weitere Partnerschaft mit ElevenLabs. Worauf dürfen wir gespannt sein?
In diesem Herbst starten die ersten drei Folgen von Lissy PONY auf YouTube – auf Deutsch, Französisch und Spanisch. Damit übertragen wir eine etablierte Printmarke erstmals in eine KI-gestützt produzierte audiovisuelle Welt.
Die Folgen bilden den Auftakt der Serie und liefern uns zugleich wertvolle Erkenntnisse darüber, wie Storytelling, Produktionsprozesse und Publikumsresonanz in diesem neuen Umfeld zusammenspielen. Die Erfahrungen daraus fließen in die weitere Entwicklung der Serie ein.

KI erweckt Olivia, Tamani und Lana (v.l.n.r.) zum Leben (Motiv: Burda Media / Blue Ocean Entertainment)
Sie kündigen an, künftig "bestehende Markenwelten mithilfe des neuen Modells von Black Forest Labs audiovisuell markenkonform weiterzuentwickeln"? Was kann FLUX 3 hier leisten?
FLUX 3 unterstützt uns dabei, Charaktere, Bildwelten und Stile über viele Szenen hinweg konsistent und markenkonform umzusetzen. Mit den Technologien von ElevenLabs können wir Sprache, Stimmen und unterschiedliche Sprachversionen effizient und on Brand ergänzen. So lassen sich Inhalte schneller internationalisieren und für verschiedene Kanäle und Formate weiterentwickeln.
Lissy PONY ist dabei ein erster konkreter Anwendungsfall. Über diese Marke hinaus prüfen wir weitere Burda-IPs, unterschiedliche visuelle Stile und neue audiovisuelle Formate. Perspektivisch geht es auch um Kampagnen, digitale Markenerlebnisse, virtuelle Try-Ons und neue Produkte.
Unser Ziel ist es, erfolgreiche Marken für eine zunehmend von Video geprägte Mediennutzung weiterzuentwickeln und damit neue Zielgruppen und Märkte zu erreichen.
Rebecca Gottwald, Burda Media
Wie setzen Sie den Workflow zwischen Mensch und Maschine auf?
Verantwortung und Innovation gehören für uns untrennbar zusammen: Die kreative und redaktionelle Kontrolle bleibt beim Menschen. Den Einsatz generativer KI machen wir transparent und berücksichtigen dabei die geltenden regulatorischen Anforderungen.
Wie ist die KI-Partnerschaft zwischen Burda und Black Forest Labs beziehungsweise ElevenLabs ausgestaltet?
Es handelt sich um strategische Partnerschaften, mit denen wir zeigen wollen, was technologisch in Europa möglich ist. Bei Black Forest Labs waren wir zunächst Launch-Partner der Finetuning-API auch bei FLUX 3 sind wir offizieller Release-Partner.
Wir testen neue Modelle früh in realen Medien- und Produktionsprozessen und geben unsere Erfahrungen aus dem Unternehmenseinsatz zurück: Was funktioniert, wo liegen Hürden und was benötigen professionelle Kreativteams? Dieses Feedback unterstützt auch die Weiterentwicklung der Technologie.
Mit ElevenLabs integrieren wir Voice-Agent-Technologien in AISSIST und entwickeln konversationelle Anwendungen. Unsere Partner bringen ihre spezialisierten Modelle ein, wir bringen Marken, Inhalte, Workflows und Publishing-Know-how ein. Dadurch entstehen Lösungen, die nicht nur technologisch beeindrucken, sondern sich auch im operativen Einsatz bewähren.
Was leistet AISSIST über Lissy PONY hinaus – und macht die KI-Plattform Burda technologisch souveräner?
AISSIST bündelt Text-, Bild-, Audio- und Übersetzungsmodelle sowie RAG-Lösungen für die Arbeit mit eigenen Daten und maßgeschneiderte KI-Agenten in einer sicheren, einfach bedienbaren Plattform. Über Rollen und Rechte steuern wir den Zugang zu Inhalten und Funktionen. Schnittstellen verbinden AISSIST mit unseren Digital-Asset-Management-, Content-Management- und journalistischen Produktionssystemen.
Souveränität bedeutet für uns nicht, jedes Basismodell selbst zu entwickeln.
Rebecca Gottwald, Burda Media
Wir behalten aber die Kontrolle über Workflows, Schnittstellen und Prozesslogiken und können Modelle je nach Qualität, Sicherheit, Kosten und Anwendungsfall austauschen.
Unsere Unternehmensdaten werden dabei in vertraglich und technisch abgesicherten Enterprise-Umgebungen verarbeitet und nicht zum Training der angebundenen Modelle verwendet. Ein wesentlicher Teil dieser Souveränität ist außerdem die eigene Kompetenz im Unternehmen: Unser Team bewertet neue Technologien, integriert sie sicher in die Systemlandschaft und entwickelt daraus gemeinsam mit den Fachbereichen konkrete Anwendungen.
Zur Person:
Rebecca Gottwald ist Chief AI Burda Media. Zuvor war sie Operating Officer beim Burda Verlag, einem internationalen Medienunternehmen mit einem breiten Portfolio an Digital- und Mediengeschäften. Sie setzt KI dort ein, wo sie tatsächlich funktionieren muss: in großen, komplexen Organisationen mit Altsystemen, regulatorischen Auflagen und echtem Leistungsdruck. Seit mehr als einem Jahrzehnt leitet Rebecca bei Burda groß angelegte Transformationen über mehrere Geschäftsbereiche hinweg, gestaltet Betriebsmodelle neu, baut Kernprozesse um und macht Organisationen schneller und schlanker – nicht in der Theorie, sondern in der Praxis.
Im Jahr 2023 initiierte und skalierte sie als COO „AISSIST“, die unternehmensweite KI-Plattform von Burda, die Tausenden von Mitarbeitenden einen sicheren, alltäglichen Zugang zu KI direkt in ihren Arbeitsabläufen ermöglicht. Dabei handelte es sich um ein Produktivitätssystem, das in den täglichen Betrieb und die Systeme eingebettet ist.
Ein Vorzeigebeispiel von Burda ist das erste vollständig KI-gestützte Kindercomic-Magazin, das gemeinsam mit Black Forest Labs als öffentliche Fallstudie entwickelt und veröffentlicht wurde. Die KI-gestützte Produktionspipeline steigerte die Produktionsgeschwindigkeit um rund 60 Prozent bei gleichbleibender kreativer Qualität, Charakterkonsistenz und Markenintegrität – und schuf eine wiederverwendbare Blaupause für weitere Anwendungsfälle im Medien- und Content-Bereich.
Die MEDIENTAGE München 2026 finden vom 21. bis 23. Oktober unter dem Motto Own it! im House of Communication in München statt. Dabei blicken wir im Rahmen zahlreicher Sessions auf Trends, Herausforderungen und Aufgaben für die Branche. Im Rahmen des AI Summits im diesjährigen Konferenz-Programm steht vor allem die Gestaltung des Wandels durch KI zur Debatte. Tickets für die #MTM40 sind online erhältlich!
Interessiert an Themen rund um die Medienbranche? Dann ist hier im Blog der MEDIENTAGE München noch mehr Lesenswertes zu finden. Zudem können Medienthemen passenderweise auch gehört werden: im Podcast "This is Media NOW".




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