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title: Diversität? Wo Redaktionen Nachholbedarf haben
description: Strukturelle Veränderungen und gezielte Förderung sind essenziell, damit Medien vielfältigen, glaubwürdigen und relevanten Journalismus für viele liefern.
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# Diversität? Wo Redaktionen Nachholbedarf haben

 4. März 2026

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Von   
[Petra Schwegler](https://blog.medientage.de/author/petra-schwegler)

Thema  
[Journalism](https://blog.medientage.de/tag/journalism), [Studie](https://blog.medientage.de/tag/studie), [Diversity](https://blog.medientage.de/tag/diversity)

*Wenn wir in Deutschland über Medien reden, reden wir oft über Glaubwürdigkeit, Relevanz und Reichweite. Aber viel seltener stellen wir eine einfache, unbequeme Frage: Wer sitzt eigentlich in den Redaktionen und wessen Wirklichkeit wird dort täglich mitgedacht?*

 

Zahlreiche [Untersuchungen](https://mediendienst-integration.de/diversitaet-und-teilhabe/medien/) zeigen: Die deutschen Medienhäuser sind in ihren Redaktionen und vor allem in ihren Führungsetagen deutlich weniger vielfältig als die Gesellschaft, für die sie berichten sollen. Während sich das Land in Richtung einer superdiversen Gesellschaft entwickelt, bleiben viele Redaktionen strukturell erstaunlich homogen.

Auf der inhaltlichen Ebene gibt es längst Sensibilität für Diversität. Viele Häuser haben entsprechende Richtlinien, achten auf geschlechtergerechte Sprache und suchen bewusst vielfältige Gesprächspartner:innen. Doch in den Strukturen – bei der Frage, wer Einstellungsentscheidungen trifft, wer Themen priorisiert, wer Budgets vergibt – spiegelt sich diese Vielfalt noch viel zu selten wider.

Genau hier setzt der Verein ProQuote an. Die [aktuellen Auswertungen](https://www.turi2.de/aktuell/proquote-verzeichnet-einen-leichten-rueckgang-beim-frauenanteil-in-journalistischen-fuehrungspositionen/) zeigen: Es hat Fortschritte gegeben, aber in vielen Häusern sind Chefredaktionen und Programmspitzen weiterhin männlich dominiert. Aktuell registriert der Verein einen wiederholten Rückgang an weiblichen Führungskräften in den Chefetagen der Leitmedien. Damit bleibt ein großer Teil der möglichen Perspektiven ungenutzt, etwa wenn es um Themen wie Care-Arbeit, geschlechtsspezifische Gewalt oder weibliche Entrepreneurship-Geschichten geht. Recht weiblich geht es in der taz-Spitze zu (61,3 Prozent „Frauenmachtanteil"), eine Männerdomäne bleibt die Führungsetage der Springer-Marke Welt (16,7 Prozent).

Diversität ist dabei mehrdimensional. [Es geht nicht nur um Geschlecht und Migration, sondern auch Behinderung, Religion, Alter, sexuelle Identität oder regionale Prägung](https://www.media-perspektiven.de/fileadmin/user_upload/media-perspektiven/pdf/2023/MP_19_2023_ARD_Fodi_Diversitaet_in_Medienangeboten.pdf). Eine Studie zu „[Diversity in deutschen Fernsehnachrichten](https://neuemedienmacher.de/fileadmin/user_upload/NDM_BERICHT_Diversity-in-deutschen-Fernsehnachrichten.pdf)" aus dem Jahr 2021 hat analysiert, wer in den großen Nachrichtensendungen überhaupt vorkommt. Das Ergebnis: Menschen mit sichtbarer Migrationsgeschichte, mit Behinderung oder aus ärmeren Milieus tauchen deutlich seltener auf – und wenn, dann oft in problemfokussierten Kontexten.

Glaubt man weiteren [Analysen](https://home-affairs.ec.europa.eu/policies/migration-and-asylum/migrant-integration/migrant-integration-hub_en), dann dürfte sich in den vergangenen viereinhalb Jahren an dieser Gewichtung nicht viel geändert haben. 

 

## Mehr Arbeiterkinder, andere Perspektiven

Ein blinder Fleck in der Debatte ist die[soziale Herkunft](https://mediennetzwerk-bayern.de/netzwerkwissen-arbeiterkinder-medienbranche/). Wer sich den Weg in den Journalismus anschaut, sieht schnell: Für [Arbeiterkinder](https://arbeiterkind.de/)ist er deutlich steiniger. Der klassische Weg führt über Abitur, Studium, unbezahlte Praktika und freie Mitarbeit – ein Weg, den sich viele ohne finanzielles Sicherheitsnetz schlicht nicht leisten können.

Journalist:innen kommen überdurchschnittlich häufig aus Akademikerfamilien; Arbeiterkinder sind deutlich seltener vertreten. Wer nie erlebt hat, was es heißt, mit mehreren Jobs über die Runden zu kommen oder als Erste in der Familie zu studieren, denkt bestimmte Perspektiven im journalistischen Alltag seltener mit.

Es gibt Projekte, die gezielt gegensteuern: Die Deutsche Journalistenschule (DJS) hat die Workshop-Reihe [#dukannstjournalismus](https://djs-online.de/foerdern/vertrauen-durch-vielfalt/) gestartet, die sich explizit an Menschen aus Arbeiterfamilien richtet. Deutschlandweit gibt es Programme wie [Voices of Brandenburg](https://www.mabb.de/foerderung/voices-of-brandenburg), die Talente aus unterprivilegierten Schichten coachen und in Redaktionen bringen. Redaktionen selbst können Stellenausschreibungen öffnen, Anforderungsprofile stärker auf Kompetenzen statt auf formale Kriterien ausrichten und divers besetzte Auswahlgremien einsetzen. Dafür ist unter anderem das PULS-[Talente-Programm](https://www.br.de/puls/ueber-uns/puls-talente/index.html) des BR ein Beispiel.

 

## Was heißt das für die Zukunft?

Drei Punkte zeichnen sich ab:

- **Erstens** müssen Redaktionen Diversität als journalistische Qualitätsfrage begreifen – nicht als freiwillige Zusatzleistung. Vielfältige Teams erweitern den Themenradar, decken blinde Flecken auf und gewinnen das Vertrauen von Zielgruppen, die sich in Medien bislang kaum wiederfinden.
- **Zweitens** müssen strukturelle Veränderungen dort ansetzen, wo Entscheidungen fallen. Solange Führungsriegen homogen bleiben, stoßen Diversity-Initiativen auf Projektebene unweigerlich an ihre Grenzen. Das betrifft Berufungsverfahren und Talentförderung, aber auch die Frage, wer Fehler machen, daraus lernen und trotzdem Karriere machen darf.
- **Drittens** darf Diversität nicht als abgeschlossenes Projekt behandelt werden. Redaktionen müssen regelmäßig messen, transparent Ziele formulieren und den Austausch mit Communities aktiv suchen, die bisher kaum zu Wort kommen.

Diversität bedeutet nicht, „Quote zu erfüllen" oder „politisch korrekt" zu sein. Es bedeutet, die Realität der eigenen Gesellschaft ernst zu nehmen, mit all ihren Brüchen, Spannungen und Widersprüchen. Redaktionen, die das leisten, produzieren nicht nur gerechteren, sondern auch relevanteren Journalismus. Und genau das ist es, was Medien als [Gegenentwurf](https://blog.medientage.de/ki-und-der-wert-der-menschlichen-perspektive) zu KI-Generiertem in einer fragmentierten Öffentlichkeit dringend brauchen.

 

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***Auch wenn die MTM als Konferenz bis zum 21. Oktober 2026 pausieren: Wir bleiben präsent!* *Die Zusammenfassungen wichtiger Panel-Diskussionen sowie Bildmaterial der 39.*** [***MEDIENTAGE MÜNCHEN***](https://medientage.de/)***stehen im [Info-Bereich](https://medientage.de/presse/)* *der MEDIENTAGE-Homepage und auch im*** [***MTM-Blog***](https://blog.medientage.de/)***bereit. Bilder für den Download (Quelle: Medien.Bayern GmbH/MEDIENTAGE MÜNCHEN) sind in der [Mediathek](https://medientage.de/media/) zu finden.***

**[![](https://blog.medientage.de/hs-fs/hubfs/MTM25_Blog_Signet_WTF.jpeg?width=700&height=317&name=MTM25_Blog_Signet_WTF.jpeg)](https://medientage.de/media/)  
*Zudem können zahlreiche MTM-Th**emengehört werden:***[***im Podcast***](https://medientage.de/media#podcast)***"This is Media NOW".***

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