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Streaming, Print, Audio: Für welche Inhalte wir bezahlen

Geschrieben von Petra Schwegler | 24. August 2021

Es dürfte nur noch wenige Haushalte geben, in denen lediglich ferngesehen, Radio gehört und/oder zuweilen Zeitung gelesen wird. Inzwischen wird eifrig gestreamt, abgerufen oder online gespielt. Die Selbstverständlichkeit, mit der stattliche Monatsgebühren für den On-Demand-Zugriff auf Inhalte akzeptiert werden, stellt einen umfassenden Wandel dar. Doch wo liegt die Schmerzgrenze? Eine Modellrechnung.

 

Auf Paid Content setzen immer mehr klassische Medienanbieter, um etwa wegfallende Werbeerlöse zu kompensieren (Print), die Umsätze generell zu steigern oder neue Angebote überhaupt erst möglich zu machen (Audio, Newsletter, etc..).

Gerade während der Corona-Pandemie mit dem erzwungenen Rückzug der Menschen ins Private und einem gesteigerten Informations- und Unterhaltungsbedarf machten Marktforscher schnell eine deutlich gestiegene Zahlungsbereitsschaft für qualitative hochwertige Inhalte aus.

Aber wie viel können und wollen die Nutzer:innen für ihren Medienkonsum ausgeben? Ums Budget buhlen die Anbieter von Streaming, Pay-TV, Print, Audio oder Online-Diensten. Zeit für einen Kassensturz.

Streaming

Umgerechnet 9,84 Euro geben europäische Abonnent:innen beziehungsweise Haushalte im Schnitt für Netflix im Monat aus. Neben einem der Platzhirsche des Streamings fallen eventuell noch Ausgaben für Disney+ in Höhe von im Schnitt 3,37 Euro und/oder um die 8 Euro für Amazons Dienst Prime Video an.

Mehrere Studien haben hier eine „magische Grenze“ ausgemacht, rund 2,2 Dienste und um die 20 Euro, die 4 von 5 Deutschen fürs Streaming pro Monat auszugeben bereit ist. Daneben steht der durchschnittliche Erlös pro Streaming-Nutzer:in (ARPU, engl. Average Revenue Per User) pro Jahr. Er liegt 2021 bei rund 80 Euro, rechnen Statistiker vor.

Als Mittelwert notieren wir um die 15 Euro für Streaming pro Monat und Haushalt.


Pay-TV/Pay-per-View

Das Sky-Abo oder einzelne Filme, die auf verschiedenen Plattformen abgerufen werden können, sind in vielen Haushalten präsent.

Als Sportfan wird es gleich mal teurer: Im Schnitt 30 Euro für Unterhaltung und Sportliches kommen schnell für einen TV-Haushalt zusammen.

 

Streaming von Musik oder Podcasts

Inzwischen wird sehr viel fürs Ohr geboten. Ob ein Musikabo, Hörbücher oder ein Stream – im Paid-Bereich ist die Auswahl groß. Pro Kunde kommen bei Spotify gut 4 Euro pro Monat zusammen. Audible-Hörbuch-Abos können beispielsweise in der Schnupperphase deutlich günstiger als zum regulären Monatspreis von 9,95 Euro abonniert werden.

Für Gehörtes gilt das Gleiche wie für Gesehenes: die magische Grenze von 15 bis 20 Euro pro Monat. Packen wir also 15 Euro on Top auf die Ausgabenliste eines Haushaltes.

 

Publishing

Wer noch treu die Zeitung abonniert und das seit vielen Jahren, der merkt vielleicht gar nicht mehr, dass ihm monatlich schon auch mehr als 40 Euro abgebucht werden können. Inzwischen werden die klassischen Print-Abos oft mit Zugängen zu digitalen Pay-Angeboten kombiniert – on Top oder mit einem kleineren Zuschlag. Die Printbranche tendiert übrigens dazu, aufgrund gestiegener Papierpreise und Zustellungskosten Digitalabos zu forcieren.

Kommt noch das wöchentliche Nachrichtenmagazin dazu (rund 20 Euro pro Monat) und der der Zugang zu einem Online-Kiosk (Readly für rund 10 Euro pro Monat), sind schnell mehr als 70 Euro pro Monat fest verbucht fürs Lesen aktueller Informationen. Setzt sich die Entwicklung wie bei der „New York Times“ fort, dann bezahlen wir auch bald für Kochrezepte-, Spiele- oder Audio-Abos der Printmarken zusätzlich.

 

Paid Newsletter

Für kuratierte Inhalte aus bekannter Feder, die per Mail eintrudeln, finden sich immer mehr Fans. Bezahlte Newsletter gelten als Trend, häufig fallen Kosten um die 5 Euro pro Monat an.

In den USA geben überzeugte Fans inzwischen bis zu 15 Dollar für den Newsletter-Service aus.

 

Das kommt noch on Top ...

Wenn das Kino nach der Corona-Pandemie zurückkommt, rechnet die Branche der Lichtspielhäuser mit einer Rückkehr des durchschnittlichen Eintrittspreises von gut 8,60 Euro. Gehen wir einmal im Monat ins Kino, knuspern dort Popcorn und trinken wir dort ein Bier, geben wir rund 20 Euro aus. Als Familie wird es schnell deutlich teurer.

Wer die Lust am Buch verspürt, kauft vielleicht noch im Schnitt einmal pro Monat für 10 Euro Lesenswertes. Und für Games wird schnell auf anderes verzichtet, gern ist auch von „Abofallen“ die Rede.

Damit summieren sich die monatlichen Kosten für engagierte Haushalte in unserer Modellrechnung auf mehr als 170 Euro, die sich noch um weitere 18,36 Euro für den Rundfunkbeitrag erhöhen. Das Plus bei der Abgabe für die Öffentlich-Rechtlichen um monatlich 86 Cent ist erst Anfang August vom Bundesverfassungsgericht vorläufig freigegeben worden, nachdem das Land Sachsen-Anhalt die Zustimmung Ende 2020 verweigert hatte.

Diese Vorzeigerechnung würde sicher den klassischen Anbietern gut gefallen. Auch steigen die Ausgaben pro Haushalt fürs Medienbudget seit Jahren weiter an. Doch Fakt ist: Gerade die nachwachsende Generation mit den künftigen Haushaltsführenden tendiert eher zu gestreamten Video- und Audioinhalten. Abzuwarten bleibt, wie sich der Mix entwickelt.

 

Die MEDIENTAGE MÜNCHEN finden dieses Jahr vom 25. bis 29. Oktober statt. Sie stehen unter dem Motto New Perspectives. Dabei blicken wir auf die Zeit nach der Corona-Pandemie und zeigen neue Perspektiven sowie Geschäftsmodelle der Anbieter aus der TV-, Audio-, Print- oder Digitalbranche auf. 

 

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