Der Bewegtbild-Markt in der DACH-Region steckt mitten in einem grundlegenden Wandel. Klassisches lineares Fernsehen bleibt zwar noch das meistgenutzte Bewegtbildformat, doch die Richtung ist klar: Digitale Plattformen, IP-basierte Distribution und werbefinanzierte Streaming-Modelle gewinnen weiter an Bedeutung. Genau das beschreibt der Trendreport "State of TV & Video 2026 – FAST Special" des Münchner IT- und Tech-Dienstleisters valantic, der zusammen mit dem FAST-Spezialisten FUNKE Channels. herausgegeben wird.
Spannend ist dabei nicht nur die Frage, welche Formate genutzt werden, sondern wie sich die Finanzierung der Angebote verschiebt. Werbebudgets wandern zunehmend aus der klassischen TV-Werbung heraus und hinein in digitale, programmatische Umfelder. Für Medienhäuser, Plattformen und Werbetreibende bedeutet das: Reichweite allein reicht nicht mehr, entscheidend wird die Fähigkeit, Zielgruppen präzise, flexibel und datenbasiert anzusprechen.
Wie kürzlich bei der Konferenz media hall in Frankfurt deutlich wurde, wo valantic einen ersten Einblick in die Analyse geben durfte, geht es nun unter anderem darum, über alle Marktpartner hinweg die Budgets für Connected-TV-Angebote aus den niedriger angesetzten Digital-Werbetöpfen auf die TV-Etats der Werbekunden zu verlagern.
Besonders interessant ist der Aufstieg von FAST. FAST steht für "Free Ad-Supported Streaming TV" – also kostenlose Streaming-Kanäle, die sich über Werbung finanzieren. Das Modell verbindet etwas Vertrautes mit etwas Neuem: Lineare "Lean-Back"-Konsument:innen der TV-Ära sind noch da – und FAST liefert die passenden Inhalte im Stream kostenlos, werbefinanziert und mit klarer Marke. Anbieter gewinnen zusätzliche Reichweite und Werbekunden bekommen neue Flächen im digitalen Umfeld.
Warum ist das so spannend?
Weil viele Menschen zwar weiter Bewegtbild nutzen, aber immer bewusster auswählen, wo sie dafür zahlen wollen. Streaming-Abos sind teuer geworden, und nicht jeder möchte für jeden Inhalt ein neues Abo abschließen.
Vor allem preissensible Zielgruppen sprechen laut valantic-Report stark auf FAST an. Das passt in eine Zeit, in der viele Haushalte ihre Streaming-Ausgaben genauer prüfen und sich durch die Menge an Abo-Angeboten überfordert fühlen.
So streamten 2025 bereits 37 Prozent der User hierzulande ausschließlich kostenlose Inhalte (plus vier Prozentpunkte gegenüber 2024).
60 Prozent nutzten kostenpflichtiges Videostreaming – jüngeres Publikum häufiger (68 Prozent).
44 Prozent geben laut der Analyse an, dass sie mit geringerer Wahrscheinlichkeit Bezahl-Abos kündigen würden, wenn diese günstiger und dafür mit Werbung wären.
Und 29 Prozent der Netflix- und Disney+-Abonnenten haben sich fürs Abo mit Werbung entschieden.
Diese Aussagen fußen auf Marktdaten von Simon Kucher, Bitkom und Goldbach aus dem vergangenen Jahr.
Die Entwicklung macht deutlich, warum valantic für FAST ein weiter zweistelliges Wachstum ausgeben kann. Gleichzeitig wird auch dieser Markt kompetitiver: Das Angebot wächst schneller als die Nachfrage und dadurch steigt der Druck auf Anbieter, mit klarer Positionierung, attraktiven Inhalten und sauberer Vermarktung zu punkten. Wer einfach nur "noch einen Kanal" startet, wird es schwer haben. Ein eindeutiges Senderprofil ("Single-IP FAST") aka Spartensender schlägt dabei das Vollprogramm, wie bei der media hall betont wurde.
Bewegtbild wird nicht weniger oder kleiner, sondern fragmentierter. Lineares TV bleibt wichtig, aber es verliert an Dominanz. FAST, VoD und digitale Plattformen verschieben die Logik des Marktes in Richtung Flexibilität, Werbefinanzierung und datengetriebener Vermarktung.
Auch der VoD-Markt tritt laut Bericht in eine Reifephase ein. Das heißt: Wachstum entsteht immer weniger durch neue Nutzer:innen, sondern zunehmend durch bessere Monetarisierung. Für die Branche ist das ein wichtiger Punkt, weil damit nicht mehr nur Reichweite, sondern Ertragseffizienz im Mittelpunkt steht.
Für Medienhäuser und Plattformen ist das eine echte Chance, aber auch eine Herausforderung. Denn es reicht nicht mehr, einfach nur Content anzubieten. Entscheidend wird, wie gut Inhalte verteilt, vermarktet und datenbasiert gesteuert werden.
Wer die Zielgruppen versteht und flexibel ausspielen kann, hat klare Vorteile. Oder kann neue Geschäftsbereiche aufbauen. So hat das Medienhaus FUNKE bereits seit einigen Jahren mit dem Team FUNKE Channels ein Angebot im Markt, das sich als Partner der FAST-Branche positioniert. Bei Inhalten ebenso wie bei der Vermarktung, ergo ein neuer und wachsender Geschäftszweig des Essener Medienkonzerns.
Fest steht: Die gesamte Wertschöpfungskette wird komplexer. Content-Anbieter, Werbekunden, Plattformbetreiber, Telekommunikationsunternehmen und Medienhäuser müssen enger zusammenspielen, weil Sichtbarkeit, Ausspielung und Vermarktung heute viel stärker miteinander verknüpft sind. Als Plattform dieser neuen Logik positioniert sich derzeit vor allem Magenta TV der Deutschen Telekom.
Ein neues Verständnis macht sich breit: Gemeinsam muss der Inhalte- und Angebots-Dschungel fürs Publikum gelichtet und der richtige Inhalt finanziert werden. Denn die Konkurrenz ist digital, mächtig und heißt vor allem "YouTube": 59 Prozent der Nutzung von VoD- und Superstreamer-Plattformen fand nach gesammelten Daten von valantic im vergangenen Jahr über die Google-Videoplattform statt.
Deren Marktmacht auf dem großen Bildschirm legt weiter zu (gegenüber 2024 um drei Prozentpunkte). "YouTube dominiert als führende AVoD-Plattform, während Netflix, Amazon Prime und Disney+ die SVoD-Märkte in DACH anführen", fasst das Team valantic zusammen.
Alles in allem bleiben die vernetzten TV-Geräte im vergangenen Jahr mit 78 Prozent ein zentrales Medium für digitalen Videokonsum, besonders für traditionelle TV-Formate und Filme. Für TV und Video 2026 gilt: Alles auf digital!
Das neue MTM SPECIAL AI & MEDIA zu Künstlicher Intelligenz in der Bewegtbild-Branche findet am 21. und 22. April 2026 in der HFF München statt. In Keynotes, Panels und Masterclasses geht es um aktuelle Anwendungen, rechtliche Fragen und neue Perspektiven für den Einsatz von KI in der Medien- und Filmproduktion.
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