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KI und eine Branche, die gerade in Echtzeit lernt

21. April 2026

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Filmschaffende, die im Alleingang Kino produzieren. Journalist:innen, die gegen KI-Präsidenten kämpfen. Verleger, die das Internet von 1996 nicht wiederholen wollen.
Zum Auftakt von zwei Tagen MTM SPECIAL AI & MEDIA wird deutlich: Die neue Konferenz ist ein Seismograf für eine Branche im Wandel.


Was macht KI mit der Filmbranche – und was macht die Filmbranche mit KI? Das ist die zentrale Frage gleich zu Beginn des allerersten MTM SPECIAL AI & MEDIA beim Gipfel an der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) in München. 

Produzentin und Co-Gastgeberin Yoko Higuchi-Zitzmann macht gleich zu Beginn klar, warum es diese Konferenz braucht: "KI birgt enorme Chancen für die Medienbranchen, auch mit Risiken verbunden. Wir wollen mit #AIME alle Facetten durchleuchten und Leitplanken schaffen für die konstruktive Arbeit mit KI." Dann kommt ein Satz, der hängen bleibt: "Früher mussten wir zehn Mal zum Drehort reisen, um große Filme zu drehen. Mit KI haben wir auch in Europa die Chance, in Konkurrenz zu internationalen Studios zu treten."

 

Der gefälschte Präsident, der neue Medienkrieg

Den Einstieg des Tages liefert Dr. Helge Fuhst, Ex-"Tagesthemen"-Mann und heute an der Spitze der Springer Premium-Gruppe. Er zeigt einen Clip – angeblich vom neuen iranischen Präsidenten, schwer verletzt am ersten Tag des US-Angriffs, aus dem Hintergrund wirkend. Ein „Geist", wie Fuhst ihn nennt. Der erste „KI-Präsident". Sein Urteil dazu ist unmissverständlich: „Das ist die Geburtsstunde des neuen medialen Kriegs."

7R500946_v_1 Medien.Bayern-Chef Stefan Sutor (l.) und #AIME26-Veranstalter mit Keynote-Speaker Dr. Helge Fuhst
(Foto: Medien.Bayern GmbH / MEDIENTAGE MÜNCHEN)


Was das für den Journalismus bedeutet? Transparenz. Einordnung. Verantwortung. Fuhst sieht die Aufgabe des Journalismus in dieser Welt ganz klar „Wir müssen KI kennen, um die Wahrheit zu erkennen."  Doch Fuhst ist kein Pessimist:  Er sieht KI als das, was das Internet in den Neunzigern war – und warnt vor denselben Fehlern: „Wer KI wegdrückt, ist in der gleichen Situation wie Chefredakteure, die 1996 dachten, dieses Internet gehe wieder weg." Er sieht die Chance, Geschwindigkeit und Tiefe endlich zu verbinden: „Wir wissen, wer heute den Kampf um Aufmerksamkeit gewinnt: die Geschwindigkeit. Früher war das Tiefe. Hier hilft uns KI, die Geschwindigkeit mit der Tiefe zu verbinden."

Sein Modell dafür: Human in the Loop. KI scannt, der Mensch ordnet ein. „In diesem Rennen wird Vertrauen zur neuen Währung." Und Journalismus? Wird zum Navigationssystem für eine Gesellschaft, auf die von allen Seiten Informationen einprasseln.

Drei Punkte gibt Fuhst der Branche mit auf den Weg:

  • Schulung ist Pflicht, Redaktion und Tech müssen zusammenwachsen.

  • KI muss zum Standard werden – so selbstverständlich wie Outlook oder ein CMS.

  • Und: Medien brauchen eigene Tools, nicht nur eingekaufte Lizenzen. Fuhst: „Geschichte wird nicht von Algorithmen geschrieben, sondern von denen, die damit umzugehen wissen."

One Man Band dreht Kino – per KI

Dann betritt  Mark Wachholz die Bühne. AI Filmmaker, Storyteller, und eine Art lebender Beweis dafür, was gerade möglich ist. Seit gut zwei Jahren produziert er als Ein-Mann-Betrieb kurze, vollständig KI-generierte Filme – und ist damit unter die ersten zwölf Finalisten des Global AI Film Award von Google gekommen, dotiert mit einer Million Dollar. „Das war ein Signal für die Branche. In diesem Diskurs, der gerade geführt wird."

Was ihn antreibt? Die Freiheit. „Mit AI ist im Filmbereich alles möglich. Was jetzt noch nicht geht, geht in zwei oder vier Monaten. All das wird immer besser, und wir können jetzt schon überlegen, was wir künftig realisieren wollen." Als Autor und Drehbuchschreiber nennt er das schlicht: „eine enorme Befreiung."

Aber Wachholz ist kein Blinder in der Euphorie. Er stellt die Frage, die viele verdrängen: „Plötzlich wird es schwer zu überlegen, welche Geschichte man erzählen will. Was nehme ich? Diese zentrale Frage braucht Entscheider, Filmschaffende." Das Machbare werde zu groß. Deshalb sein modifiziertes Mantra, angelehnt an die Tech-Bros: nicht „Move fast and break things" – sondern „Move smart and make things."


Die Verleger, die Sender, die Plattform

Die anschließende Diskussionsrunde bringt Stimmen aus den unterschiedlichsten Ecken der Medienbranche zusammen – und die Unterschiede hätten kaum schärfer sein können.
Dr. Marc Al-Hames aus dem Management von Hubert Burda Media zieht den historischen Rahmen: „Wir stehen mitten in der größten Disruption seit dem Beginn der Industrialisierung. Jeder Job, jede Arbeit, bei der man den PC anschaltet, wird sich massiv verändern." Er warnt eindringlich vor einer erneuten Abhängigkeit von US Big Tech: „Wir sollten in Europa verhindern, dass das wieder passiert." Bei Burda stehe man erst am Anfang, denn KI sei dabei, alles zu verändern – von der Redaktion über den Vertrieb bis zur Kundenbindung. Aber er betont auch die Verantwortung: „Mit unserem 100 Jahre alten Namen stehen wir dafür ein, das zu verteidigen."

Andreas Briese von YouTube sieht sein Unternehmen in der Rolle des Partners: „KI verstehen wir als Riesenchance für die Kreativindustrie. Und wir verstehen uns als Partner, um die Kreativindustrie dabei zu unterstützen." Besonders kleine Studios würden profitieren, endlich mit der Qualität der Großen mithalten zu können. Bei der Frage nach Vertrauen gibt er die Verantwortung klar zurück an die Medienmarken: „Wie schaffen es die Medienmarken, dass ihnen die Kundinnen und Kunden vertrauen? Das hat mit Kennzeichnung, Transparenz, den Köpfen in den Redaktionen und mit dem journalistischen Können zu tun."

7R500923_v_1#AIME26-Moderator Jannis Brühl (SZ) mit Dr. Thorsten Schmiege und Mark Wachholz
(v.l.; Foto: Medien.Bayern GmbH / MEDIENTAGE MÜNCHEN


Die Medienaufsicht ist bei #AIME in Person von Dr. Thorsten Schmiege vertreten. Bei der Gipfel-Diskussion betont der Präsident der Münchner Medienanstalt BLM die Bedeutung von "Systemverständnis, bevor wir als Medienaufsicht handeln und regulieren können". Deshalb sei gemeinsam mit Medien.Bayern das KI.M und das KI-Reallabor aufgesetzt worden mit dem Ziel, "die Strukturen von KI wirklich zu verstehen. Es gilt, nicht von außen zu regulieren, was man nicht kennt". Schmiege ist wichtig: "Wir brauchen mehr Kooperation. Gerade für kleine Redaktionen, die sich keine eigene KI-Infrastruktur leisten können. „Es muss auch die WELT bereit sein, mit Burda zusammenzuarbeiten. Es geht um den Inhalt, nicht um die Technik."

Eric Lehmann, CTO bei Constantin Film, öffnet den Vorhang für das, was in der Produktion gerade wirklich passiert: „Bei uns wird schon noch ein Drehbuch gelesen. Aber ein selbst entwickeltes KI-Tool hilft uns inzwischen dabei, das Drehbuch weiterzuentwickeln. Es hilft uns enorm, in die nächsten Schritte zu gehen – Moodboards, Previsualisierung. Es hilft enorm, innerhalb weniger Stunden eine Entscheidungsgrundlage zu schaffen." Der Anspruch bleibt hoch: „Wir können es uns leisten, Mittelmaß nicht zu akzeptieren."

Hybride Workflows und die Frage nach der Zukunft

Im zweiten großen Panel ging es um neue Produktionsformen und hybride Workflows. Nikola Kohl von south&browse berichtet von der ZDF-Produktion „Deep Fake Diaries" – Pionierarbeit, wie sie es nennt: „Wir konnten beweisen, dass man mit Deep Fakes auch ein wertvolles Werkzeug liefern kann für eine lebendige Erinnerungskultur." Sechs Tools pro Figur, skeptische Stiftungen überzeugen, Geschichte und junges Storytelling vereinen. Kein einfacher Weg. Aber einer, der sich gelohnt hat.

Kohl denkt weiter: Gibt es in Zukunft noch feste Produktionen, oder kommt hyperpersonalisierter „Liquid Content" für den Einzelnen? „Next Gen Content" nennt sie das. Denkbar, aber sie fordert klare Regeln und warnt zugleich vor dem Gegenteil: „Wir brauchen keine Überregulierung, die Deutschland und Europa erneut von der US-Konkurrenz abhängen könnte."

Max Wiedemann von LEONINE Studios bringt es auf den Punkt: „Es gibt kein Plateau an Möglichkeiten, es gibt KI-Evolutionssprünge." Sein Fokus liegt auf dem Hybriden, auf Unterstützung statt Ersatz: „Mehr PS auf die Straße bringen" für die eigenen Kreativen. Full KI? Noch nicht reif für Netflix. Aber in der Animation sieht er die KI-Dominanz schon kommen.

Georg Ramme von PROMPTR ergänzt nachdenklich: „Die sehen so perfekt aus – und wir versuchen durch menschliches Zutun das Ganze wieder menschlich und echt aussehen zu lassen. Mehr Patina, mehr Leben, mehr Soul." So entstünden ganz neue Aufgaben unter anderem für Set-Designer. 

Der junge Filmemacher und die Gatekeeper

Jung, unerschrocken, und mit einem klaren Blick auf das, was die etablierten Strukturen noch bremst, argumentiert  Adrian Daniel Botnariu von Beyondflix Productions. bei #AIME: „Technisch ist sehr viel möglich inzwischen. Die Bottlenecks liegen in rechtlichen Fragen und festgefahrenen Prozessen, wo versucht wird, die KI reinzupressen. Wir müssen neue Prozesse bauen."

Sein Appell richtet sich an eine neue Generation: „Es geht darum, eine neue Generation von Creators zu ermächtigen. Diese Entwicklung muss Raum bekommen, auch im Bereich Urheberrecht, sonst bricht diese Welle zusammen. Nur so kann das neue Medium entstehen." Sein Ziel: direkt an den User herantreten, ohne Umwege über alte Gatekeeper. „Das erfordert ein neues Mindset, ein Brechen mit alten Mustern."

Fazit: Infrastruktur für eine neue Ära

Was bleibt nach diesem Auftakt?

Das Gefühl, dass eine Branche gerade in Echtzeit lernt, mit einer Technologie umzugehen, die sie gleichzeitig herausfordert, befreit und einschüchtert. Dass die einen noch zögern, während die anderen schon längst produzieren. Und dass der Satz von Helge Fuhst vielleicht der präziseste Kompass für das Ganze ist: „KI ist nicht der Niedergang des Journalismus. Es ist das neue Betriebssystem." Das Update läuft. Wer nicht installiert, verliert den Anschluss.


Auch wenn die MTM als Konferenz bis zum 21. Oktober 2026 pausieren: Wir bleiben präsent! Die Zusammenfassungen wichtiger Panel-Diskussionen sowie Bildmaterial der 39. MEDIENTAGE MÜNCHEN stehen im Info-Bereich der MEDIENTAGE-Homepage und auch im MTM-Blog bereit. Bilder für den Download (Quelle: Medien.Bayern GmbH/MEDIENTAGE MÜNCHEN) sind in der Mediathek zu finden.


Zudem können zahlreiche MTM-Themengehört werden: im Podcast "This is Media NOW".

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