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KI und Medien:  Gegenwart, Betriebssystem und Produktions-werkzeug

28. April 2026

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Wie verändert Künstliche Intelligenz die Film- und Medienbranche – und wie geht die Branche damit um? Diese Fragen hat Speaker und Teilnehmende des ersten MTM SPECIAL AI & Media über zwei Tage hinweg an der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) München bewegt. Was wir aus dem vollgepackten Programm mit vielen Facetten mitnehmen sollten.

 

KI ist in der Medienbranche längst kein Zukunftsthema mehr. Sie ist Gegenwart, Betriebssystem, Produktionswerkzeug und gleichzeitig Gegenstand heftiger Debatten über Urheberrecht, Vertrauen und Verantwortung.

Das hat #AIME26 deutlich gemacht, die neue Konferenz der MEDIENTAGE München an der Schnittstelle zwischen Medien und KI, co-kuratiert von Produzentin und Medienmanagerin Yoko Higuchi-Zitzmann. Viele Stimmen aus Verlagen, Sendern, Produktion, Plattformen und Medienpolitik kamen für zwei Tage in der HFF München zusammen.

Fazit vorab: Einigkeit gibt es bei kaum etwas, außer darin, dass Stillstand keine Option ist.

 

Keynote mit Deepfake-Auftakt

Den Ton setzte Dr. Helge Fuhst, Ex-„Tagesthemen"-Mann und heute im Spitzenmanagement von Springers Premium-Gruppe, mit einem provokanten Einstieg: ein Video vom angeblich schwer verletzten iranischen Präsidenten, sehr wahrscheinlich gefälscht. „Das ist die Geburtsstunde des neuen medialen Kriegs", sagte Fuhst. Er skizzierte eine Medienwirklichkeit, die es mit dem ersten „KI-Präsidenten“ zu tun hat.

7R500890Keynote-Speaker zum Umgang der Medien mit KI: Dr. Helge Fuhst, jetzt Springer
(Foto: Medien.Bayern GmbH / MEDIENTAGE MÜNCHEN) 


Fuhsts eigentliche Botschaft kam danach: KI sei nicht der Niedergang des Journalismus, sondern „das neue Betriebssystem“. Wer sich verweigere, befinde sich in der gleichen Situation wie Chefredakteure, die 1996 dachten, das Internet gehe wieder weg.

Für Redaktionen leitete Fuhst daraus Konsequenzen ab: Schulung ist Pflicht, Redaktion und Tech-Abteilung müssen zusammenarbeiten. KI muss Standard sein wie das CMS. Und Medien brauchen eigene Werkzeuge statt nur Lizenzen.

Gleichzeitig mahnte der Medienmanager zur Rückkehr zum journalistischen Handwerk: weg vom Schreibtisch, raus zu den Menschen, Einordnung wird wichtiger. „Wir müssen KI kennen, um die Wahrheit zu erkennen."

 

Filmproduktion zwischen Befreiung und Orientierungslosigkeit

AI-Filmmaker Mark Wachholz lieferte beim Eröffnungsgipfel einen lehrreichen Perspektivwechsel. Seit gut zwei Jahren produziert der Drehbuchautor als Einzelperson reine KI-Filme.

Sein Befund: Im Filmbereich ist mit KI inzwischen fast alles möglich, und was noch nicht geht, „geht in zwei bis vier Monaten“. Die Werkzeuge würden besser. Die eigentliche Herausforderung sei bei der Fülle an Möglichkeiten eine andere: „Was nehme ich? Diese zentrale Frage braucht Entscheider, Filmschaffende." Die Menge des Machbaren wächst schneller als die Orientierung darüber, was es wert ist, gemacht zu werden.

Max Wiedemann von LEONINE Studios / Mediawan fasste das für den professionellen Produktionskontext so zusammen: „Es gibt kein Plateau an Möglichkeiten, es gibt KI-Evolutionssprünge." Für sein Haus liege der Fokus derzeit auf dem hybriden Einsatz. Er versteht KI als Unterstützung für Kreative, nicht als Ersatz. Full-KI erreiche noch nicht das Niveau, das große Plattformen wie Netflix erwarten, so Wiedemann. Er betonte bei #AIME26: „Ohne menschliches Talent sind die Ergebnisse recht seelenlos."

Georg Ramme von PROMPTR, Spezialist für KI-Kreation, hatte einen anderen Punkt: In Full-AI-Produktionen sehe inzwischen vieles zu perfekt aus. Die neue Herausforderung sei, das KI-Generiertes wieder menschlich und echt wirken zu lassen. Ramme: „Mehr Patina, mehr Leben, mehr Soul. So entstehen ganz neue Aufgaben beim Set-Design."

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 Produzenten-Runde bei #AIME26 (Foto: Medien.Bayern GmbH / MEDIENTAGE MÜNCHEN)  

 

Deepfakes für die Erinnerungskultur?

Ein Praxisbeispiel lieferte bei der Konferenz Nikola Kohl von south&browse mit dem Projekt „Deep Fake Diaries" fürs ZDF. Dahinter steckt eine Produktion, bei der historische Persönlichkeiten mittels KI zum Leben erweckt wurden, um junge Zielgruppen für Erinnerungskultur zu erreichen. Es galt, Hürden zu überwinden: Bis zu sechs Tools pro Figur kamen dabei zum Einsatz, skeptische Stiftungen und Erben mussten überzeugt werden, und das Ausgangsmaterial war laut Kohl oft knapp.

Das Ergebnis: „Wir leisten Pionierarbeit, weil wir beweisen konnten, dass man mit Deepfakes auch ein wertvolles Werkzeug liefern kann für eine lebendige Erinnerungskultur.“, so Kohl. Sie betonte aber auch, was dafür nötig war: Vertrauen, das mühsam aufgebaut werden musste, und klare Haltung gegenüber Sendern. „Wir stehen nach wie vor für einen verantwortungsvollen und dramaturgisch sinnvollen KI-Einsatz. So haben wir uns Vertrauen erarbeitet", so Kohl. Die Phase der reinen Skepsis bei Sendern sei vorbei – aber verantwortungsloser Einsatz würde das schnell ändern, warnte die Produzentin.


Vertical Drama: Neues System, aber kein neues Format

Ein eigener Programmblock widmete sich dem wachsenden Markt des Vertical Drama: kurze, hochformatige Serienformate für das Smartphone, nach Gaming-Vorbild gebaut, mit Hook in den ersten Sekunden und „Cliffhanger des Todes" am Ende jeder Episode. Sasha Tkachenko von HOLYWATER TECH, einem ukrainischen Anbieter mit starker US-Präsenz, beschrieb das Modell in der HFF so: Inhalte für TikTok und Instagram, enormer Content-Ausstoß, KI sowohl für Produktion als auch für User-Tracking.

A7302090Otto Steiner und Meriem Rebai (Foto: Medien.Bayern GmbH / MEDIENTAGE MÜNCHEN)  


Für den deutschen Markt blieben die Vorzeichen gemischt. Otto Steiner von Constantin Entertainment nannte Vertical Drama kein neues Genre, sondern „ein neues System“. Produzentin Meriem Rebai von reelistiq wies auf die Chance hin, die sich daraus für werbefinanzierte Inhalte ergibt – und auf einen Case mit KI-produziertem Creator Content für Skechers. Steiners nüchterne Einschätzung für die Produktionsbranche: „Mit 250.000 bis 300.000 Euro Budget kommst du auf höchstens drei bis vier Prozent Marge. Das reicht nicht." Wer am Vertical-Drama-Markt teilnehmen will, brauche entweder andere Kostenstrukturen oder eine andere Geschäftslogik oder beides.

 

KI im Journalismus: Werkzeug ja, Automatisierung nein

Die Debatte über KI im Journalismus zeigte bei #AIME26 das volle Spektrum: Uli Köppen, die beim BR das AI + Automation Lab seit sechs Jahren aufbaut und leitet, gab einen pragmatischen Einblick in die Kennzeichnungspraxis der Münchner ARD-Anstalt: klare Kennzeichnung bei KI-generiertem Bild und Content, Hinweis bei sprachlicher Anpassung von Inhalten an verschiedene Kanäle, keine Kennzeichnung, wenn KI nur Arbeitsroutinen im Hintergrund erleichtert.

Im nachrichtlichen Kontext arbeite der BR nicht mit KI, so Köppen. Sie empfahl: „Diese Authentizitätsstempel, die etabliert werden, sollten in der KI-Ära journalistische Marken ausmachen. Für diesen Wert muss man einstehen, hart darum kämpfen."

A7302149Uli Köppen, KI-Expertin des BR (Foto: Medien.Bayern GmbH / MEDIENTAGE MÜNCHEN)  


Schärfer fiel Köppens Einschätzung zur Lage mit den großen Plattformen aus: „Google ist astreine Erpressung derzeit. Wer nicht bei AI Overviews ausgespielt werden will, fällt in der Suche komplett raus." Das Ende des klassischen SEO sei für Medienhäuser kurzfristig eine Katastrophe, langfristig aber auch eine Chance: Eigene Inhalte zählten wieder mehr, so die BR-KI-Managerin.

Focus-Chefredakteur Georg Meck verwies auf die Haltung des Burda-Titels, die KI als Chance begreife: Faktenchecker prüfen demnach jeden Inhalt, KI nimmt lästige Routinearbeit ab und schafft Zeit für Recherche. #AIME26-Tagesmoderator Jannis Brühl aus der Redaktion der Süddeutschen Zeitung brachte es auf einen knappen Nenner: „Das, was journalistische Arbeit ausmacht, ist die Recherche." Maren Langbehn von ProSieben ergänzte: KI helfe nicht nur bei der Produktion, sondern auch bei der Fake Detection. Was ihr wichtig war: „Vorsicht! Die Frage, wie ich journalistisch arbeite, war schon vor KI da. Und es gilt heute umso mehr, alles zu hinterfragen."

Luma AI und Serviceplan: Partnerschaft als Signal

Auch die wenige Wochen vor dem Gipfel verkündete Partnerschaft zwischen Luma AI und der Münchner Serviceplan Group war präsent beim MTM SPECIAL AI & MEDIA. Über 1000 Mitarbeitende der größten inhabergeführten Mediaagentur Europas sollen bis 2027 ein KI-Training durch Luma erfahren. Motto: Luma bringt die Technik, Serviceplan die Kreativität.

Serviceplan-CEO Florian Haller machte dabei deutlich, worum es nicht geht: „Wir wollen die Mitarbeitenden nicht ersetzen, wir wollen kein Cost Cutting betreiben. Wir wollen die Teams zu besseren Ergebnissen befähigen."

Jason Day von Luma AI ergänzte mit Blick auf die von seinem Haus mitproduzierten Prime-Video-Serie „The Old Stories: Moses“ mit Ben Kingsley: „600 Menschen haben an diesem Film gearbeitet. Wer denkt, man drückt einen Knopf und bekommt kostenlos KI-Inhalt: So läuft das nicht."

7R501153Jason Day (Foto: Medien.Bayern GmbH / MEDIENTAGE MÜNCHEN)   

 

Stimmen, Stereotypen und rote Linien

Zum Abschluss der zweitägigen KI-und-Medien-Konferenz wurde es grundsätzlicher und persönlicher. Filmregisseurin Shamila Lengsfeld mahnte, beim Prompten bewusst gegen Stereotypen zu arbeiten: Wer KI unkritisch füttere, verstärke gängige Rollenbilder in einem bislang ungekannten Ausmaß. Schauspielerin und Produzentin Veronica Ferres zog beim Drehbuchschreiben eine klare Linie gegen KI-Einsatz, nutzt sie aber als Sparringpartner in anderen Phasen der Arbeit.

Und Anna-Sophia Lumpe vom Verband Deutscher Sprecher:innen hielt fest: „Nicht die KI muss reguliert werden, sondern die Konzerne dahinter." Synchronsprecher:innen hatten zu Jahresbeginn neuen Netflix-Verträgen nicht zugestimmt, die Trainingsfreigaben für ihre Stimmen enthielten – unvergütet.

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 Anna-Sophia Lumpe, Veronica Ferres und Produzent Rainer Matsutani 
(Foto: Medien.Bayern GmbH / MEDIENTAGE MÜNCHEN)   


Jungschauspielerin Tomomi Themann fasste die Stimmung ihrer Generation zusammen: „Es geht nicht darum, dass ChatGPT meine Ideen übernimmt. Es geht darum, dass meine Ideen von ChatGPT strukturiert werden." KI sei nicht aufzuhalten. Aber sie sei zu gestalten.

 

Was wir mitnehmen

#AIME26 zeichnete das Bild einer Branche, die gerade unterschiedlich schnell und in sehr unterschiedliche Richtungen läuft. Die einen bauen KI-Reallabore und hybride Workflows, die anderen produzieren solo komplette KI-Filme. Wieder andere kämpfen darum, Urheberrecht und Persönlichkeitsrechte in einer Welt des synthetischen Contents überhaupt noch durchzusetzen.

Was die meisten Stimmen einte: Der Ruf nach menschlicher Kuratierung, nach Haltung, nach Verantwortung – und nach Kooperation, gerade für kleinere Häuser, die KI nicht allein stemmen können. BLM-Präsident Dr. Thorsten Schmiege brachte es beim Blick auf das frisch eröffnete KI-Reallabor auf den Punkt: „Wir brauchen mehr Kooperation. Da muss auch die WELT bereit sein, mit Burda zusammenzuarbeiten. Es geht um den Inhalt, nicht um die Technik."

A7301889_v_1Dr. Thorsten Schmiege (Foto: Medien.Bayern GmbH / MEDIENTAGE MÜNCHEN)   

 


Auch wenn die MTM als Konferenz bis zum 21. Oktober 2026 pausieren: Wir bleiben präsent! Die Zusammenfassungen wichtiger Panel-Diskussionen sowie Bildmaterial der 39. MEDIENTAGE MÜNCHEN und von #AIME26 stehen im Info-Bereich der MEDIENTAGE-Homepage und auch im MTM-Blog bereit. Bilder für den Download (Quelle: Medien.Bayern GmbH/MEDIENTAGE MÜNCHEN) sind in der Mediathek zu finden.


Zudem können zahlreiche MTM-Themengehört werden: im Podcast "This is Media NOW".

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