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ma 2026 Audio II: Reicht Reichweite noch fürs Geschäft?

16. Juli 2026

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Die ma 2026 Audio II ist da. Das jährliche“ Zeugnis“ der Radiobranche liefert der Gattung erneut eine solide Grundlage. Im Prinzip. Doch die Zahlen kommen diesmal nicht nur mit einem dicken Sternchen daher: Eine neue Mikrozensus-Basis erschwert Vorjahresvergleiche. Und während die Reichweiten stabil bleiben, mehren sich Stimmen, die fragen, ob sich das noch ausreichend in Werbegeld übersetzen lässt.


Zunächst einmal die Eckdaten: Audio bleibt Alltagsbegleiter und Radio ein Massenmedium. 74,1 Prozent der Deutschen ab 14 Jahren schalten werktäglich mindestens einen klassischen Radiosender oder ein Webradio ein. Im Weitesten Hörerkreis kommt die Gattung Audio Total sogar auf 91,0 Prozent – mit einer Verweildauer von 251 Minuten pro Tag. Klassisches Radio allein liegt bei 90,8 Prozent WHK und 250 Minuten Verweildauer.

Auch die digitalen Ausspielwege legen zu: DAB+ erreicht im WHK 35,6 Prozent, bei den 30- bis 59-Jährigen sogar 43,1 Prozent. Online-Audio kommt auf 25,1 Prozent WHK, mit dem stärksten Wert bei den 30- bis 49-Jährigen (29,3 Prozent). Und Podcasts wachsen weiter: 31,7 Prozent der Bevölkerung haben in den letzten vier Wochen mindestens einmal reingehört, in der werberelevanten Zielgruppe 14–49 sind es 44,5 Prozent.

 

Vorsicht, neue Zählbasis!

Wer die Zahlen mit der letzten MA und vor allem mit der Vorjahres-MA vergleicht, sollte genau hinschauen: Die aktuelle Ausweisung basiert erstmals auf neuen Mikrozensus-Außenvorgaben. Die Grundgesamtheit der deutschsprachigen Bevölkerung ist dadurch kleiner geworden. Absolute Reichweiten geraten dadurch tendenziell unter Druck, selbst wenn der Marktanteil gleichbleibt oder steigt.

Die Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse (ag.ma) selbst warnt ausdrücklich vor voreiligen Gewinner-Verlierer-Deutungen. Wer also liest, ein Sender habe "verloren", sollte die neue Rechengrundlage mitdenken und erst ab der nächsten Frühjahrs-MA wieder echte Vergleiche ziehen.

 

Zwischen Aufstieg und Rückgang

Ein bisschen Plus und Minus und Aussagen zu "Gewinn und Verlust" sollte dann aber doch sein: Unter den Einzelsendern gibt es diesmal keinen Reichweiten-Millionär mehr außer Radio NRW (1,3 Mio. Hörer:innen pro Durchschnittsstunde, plus 2,2 Prozent). Bayern 1 rutscht mit einem Minus von 10,1 Prozent auf 981.000 Hörer:innen und fällt damit erstmals seit Jahren unter die Millionenmarke – der größte Ausschlag unter den bundesweiten Top 20.

Im Gegenzug legt der BR-Schwestersender Bayern 3 kräftig zu (plus 13,9 Prozent, 679.000 Hörer:innen), auch Antenne Bayern gewinnt weiter hinzu (plus 5,0 Prozent, 758.000 Hörer:innen).

Ein einheitliches Bild ergibt das nicht, zumal angesichts der neuen Zählbasis nicht jede Bewegung als echter Stimmungstest zu lesen ist.


Reichweite ist die eine Seite, Geld die andere

So erfreulich die Nutzungszahlen sind: Sie beantworten nicht die Frage, die die Branche gerade am meisten umtreibt. Aktuelle Marktanalysen, etwa von Horizont, zeichnen ein deutlich nüchterneres Bild vom Werbegeschäft: Vor allem das Privatradio steckt demnach in einer strukturellen Krise, die sich nicht allein mit Konjunkturschwäche erklären lässt.

Ein Grund liegt in der Marktstruktur: Budgets wandern zunehmend zu globalen Tech-Plattformen ab, während klassische Radiovermarktung, vor allem im nationalen Geschäft, unter Druck gerät. Radioverbände aus Deutschland, Österreich und der Schweiz hatten deshalb bereits Ende Januar in einer gemeinsamen Erklärung auf ihre schwierige Lage aufmerksam gemacht und Erleichterungen gefordert.

Sinnbildlich für diese Schere zwischen Publikumserfolg und Vermarktungserlösen steht ein Sender wie Radio ffn: Trotz wachsender Reichweite bei den 14- bis 49-Jährigen sinken dort die Werbeerlöse, vor allem im nationalen Geschäft. Kenner der Branche sehen darin kein Randphänomen, sondern ein strukturelles Muster: Reichweite allein sichert längst nicht mehr automatisch Umsatz. Für Lokalradios mit ohnehin knappen Ressourcen bedeutet das mitunter, dass Geld für Programm und Lokaljournalismus fehlt.

Fazit: Starke Fan-Basis, unsicheres Geschäftsmodell

Die ma 2026 Audio II bestätigt: Radio und Audio erreichen die Menschen nach wie vor breit und binden sie lange. Die eigentliche Herausforderung liegt aber nicht mehr in der Nutzung, sondern darin, diese guten Leistungswerte in Werbeerlöse umzumünzen.

Wie sich Radio in einem Werbemarkt behauptet, der sich immer stärker Richtung Big Tech verschiebt, dürfte eines der bestimmenden Themen der Branche bleiben.

 


 Auch wenn die MTM als Konferenz bis zum 21. Oktober 2026 pausieren: Wir bleiben präsent! Die Zusammenfassungen wichtiger Panel-Diskussionen sowie Bildmaterial der 39. MEDIENTAGE MÜNCHEN stehen im Info-Bereich der MEDIENTAGE-Homepage und auch im MTM-Blog bereit. Bilder für den Download (Quelle: Medien.Bayern GmbH/MEDIENTAGE MÜNCHEN) sind in der Mediathek zu finden.


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