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Screenforce: So planen Sender ihr Jahr in TV und Stream

3. Juli 2026

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Zwischen Fußball, NFL-Coup und einer wahren Flut neuer Reality-Formate hat das Screenforce Festival 2026 nach einem Jahr Pause in Düsseldorf präsentiert, worauf sich die TV-Branche gerade verlässt und worauf sie eher weniger setzt: aufwendige Fiction.

 

Bereits in der Schnellfragerunde der TV-Vermarkter zum Auftakt ist das Ziel fürs Festival und das kommende Jahr der TV-Branche festgelegt worden: Es gehe darum, bei Menschen und Marken Vertrauen zurückzugewinnen. Es wurde nicht verschwiegen, dass es für die Gattung Fernsehen schon bessere Zeiten gegeben hat. Screenforce-Chef Malte Hildebrandt rief im ausgebuchten Mitsubishi Electric Center in Düsseldorf das Leitmotiv aus: „Strategie, Konvergenz und Vielfalt“.

 

Sport bleibt das Lagerfeuer

RTL positioniert sich über die frisch abgeschlossene Sky-Integration als "erste Liga" des deutschen Fernsehens – mit Fußball, Formel 1 und der neuen NFL-Exklusivität als "Deutsches Home of NFL". ProSiebenSat.1 zieht mit diversen Worldcups nach und setzt zusätzlich auf Frauensport als wachsende Bühne.

Daneben zeigt RTL viel Vertrauen in etablierte Marken: Die zweite Staffel der Show "Die Verräter" startet Mitte August, allerdings dann mit täglichen Ausgaben unter der Woche. „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ wächst weiter in TV und Stream und feiert 2027 seine 20. Ausgabe auf dem angestammten 20.15-Uhr-Sendeplatz mit der Schalte in den australischen Dschungel. Auch „Let's Dance“, laut RTL die "erfolgreichste deutsche Familienshow", wird 2027 zwanzig Jahre alt. Neu im Programm: die Gameshow „Gladiators“ für die Primetime.

Wobei „neu“ fürs TV-Jahre 2026/27 relativ zu bewerten ist: Etabliertes wird verlängert und ergänzt, bewährte Formatansätze kopiert.

 

Eigenproduktionen als wirtschaftliches Rückgrat

El-Cartel-Brothers-Chef Stephan Karrer, seit 2025 an der Spitze des gemeinsamen Vermarkters von Warner Bros. Discovery und RTLZwei, hob in Düsseldorf hervor, wie stark TV-Marken wie DMAX mit 56 Prozent Eigenanteil und der „Star-Trek“-Erfolg bei Tele5 zur Identität beitragen. Konkret angekündigt: Zum 60. Geburtstag von „Star Trek“ plant der Münchner Fiction-Sender im September eine 60-stündige Sonderprogrammierung rund um ein großes Fan-Event.

RTLZwei kündigt insgesamt 17 neue Formate mit über 1000 Folgen an. Bemerkenswert: Der Münchner Privatsender steuert mit seinen Eigenproduktionen inzwischen einen hohen Anteil zur Library der Streaming-Plattform RTL+ bei.

 

CTV und Programmatic: Gegenmodell zu Big Tech

Mit The Trade Desk begrüßt Screenforce erstmals einen programmatischen Vermarktungspartner auf der Bühne.

General Manager Sven Hagemeier beschreibt Deutschland als „führend im CTV-Bereich“ . Seine Vision auf der Screenforce-Bühne: ein alternatives Open Web, verzahnt mit Connected TV, als unabhängiges Gegengewicht zu den geschlossenen Werbe-Ökosystemen der großen Plattformen.

 

Was das für die Produktionsbranche bedeutet

Der breite Fokus der Sender auf Eigenproduktionen und Storytelling verspricht der Produktionslandschaft grundsätzlich mehr Auftragsvolumen. Die Einschränkung folgt auf dem Fuß: Für hochwertige fiktionale Serien gilt das kaum. Volle Auftragsbücher dürfte vor allem bekommen, wer Factual Entertainment liefert – Kochshows, Auswanderer-Formate, Doku-Soaps im Bürgergeld-Milieu. Vox etwa bleibt seinen Kochshow-Gesichtern treu: Tim Mälzer, Steffen Henssler und Roland Trettel machen weiter, Sebastian Lege wechselt vom ZDF nun definitiv zu RTL.

Auffällig ist zudem die hohe Dichte an Reality-Formaten quer durch die Sendergruppen: RTLZwei kündigt mit "Maison Tabu" Nachschub an der Front an, ProSiebenSat.1 plant allein beim Streaming-Ableger Joyn fünf neue Reality-Formate plus eine zweite Staffel "Villa der Versuchung" mit Verona Pooth ab 3. August, dazu Ableger wie "Prominent verwandt“. "Bad Boyfriends" heißt es bei RTL.

Auch Factual Entertainment wächst spürbar: ProSiebenSat.1 setzt bei Kabel eins Kochtour-Reihen fort. Jenke von Wilmsdorff liefert ab Oktober für ProSieben acht neue Reportagen, Linda Zervakis dreht zum Thema Hoffnung, Thilo Mischke blickt im Frühjahr unter anderem hinter die Kulissen der Superreichen. Neu bei Sat.1 zudem: "Die Millionen Idee" mit Ralf Dümmel sowie die Rückkehr von TV-Richter Alexander Hold.

Für Produktionsfirmen mit Reality- und Factual-Kompetenz bedeutet das ein verlässliches Auftragsvolumen, während aufwendige Serienware die Ausnahme bleibt. Hier hat RTL mit „Heidi“ ein Beispiel in Düsseldorf dabeigehabt (Foto: Medien.Bayern GmbH)

Screenforce26_Heidi

 

Mut? Eher weniger …

Der große programmliche Aufreger blieb aus. Statt neuer Wagnisse dominiert Vertrautes im Neuformat: „Heidi“ wird mit Heike Makatsch als Realserie neu aufgelegt (RTL), das gut angekommene „Kommissar-Rex“-Revival bekommt weitere Folgen (Sat.1), und eine Hochglanz-Serie rund um Königin Sylvia ist ebenfalls bei Sat.1 in Arbeit.

Bei Disney wiederum wird der Free-TV-Sender Disney Channel Ende 2026 in Disney TV umbenannt und richtet sich mit mehr Dramaserien, Dokus sowie Marvel- und Star-Wars-Inhalten stärker an ein erwachsenes Publikum, behält aber feste Kinderprogrammfenster.

Was ins TV kommt, was für die Streaming-Ableger gedacht ist: Die Grenzen auf den Screenforce-Bühnen blieben fließend. Sport, Reality und bewährte Marken wurden als verlässliche Anker, über allem dargestellt. Doch bei mutigem Storytelling, bei weiteren strukturellen Veränderungen und bei Mediakonvergenz über Plattformgrenzen hinweg, wie Mediaplaner vor dem Festival unter anderem bei dwdl forderten, sind viele Fragen offen geblieben.

Was bleibt, ist ein fröhlicher, bunter und lauter Eindruck einer Branche, die Menschen und Marken immer noch begeistern und emotional mitnehmen kann.

 


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