Print stirbt, aber langsam. Digital wächst, aber ungleich. KI hilft, aber wie? Die aktuelle Trendumfrage des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) mit dem Beratungsunternehmen Highberg zeigt: Die Verlagsbranche hat die Lage verstanden. Jetzt kommt der schwierige Teil.
Catherin Anne Hiller aus dem Management der Funke Mediengruppe brachte es auf den Punkt, als sie beim MVFP-Kongress "Future Media Now" in Berlin ans Mikrofon trat: Widersprüche seien nicht das Problem – sie seien der Rohstoff. Zukunft entstehe nicht im Glattziehen von Spannungen, sondern im bewussten Gestalten von ihnen.
Eine ehrliche Beschreibung dessen, was die Verlagsbranche gerade durchlebt: Die Trendumfrage 2026 von BDZV und der Hamburger Beratung Highberg – zwölf Jahre in Folge nun schon – zeichnet das Bild einer Branche, die sich in einer entscheidenden Phase des Umbaus befindet.
Mehr als die Hälfte der befragten Geschäftsführer:innen sieht das eigene Haus demnach gut auf die digitale Transformation vorbereitet. Das Digitalgeschäft wächst erneut zweistellig – bei Abonnements, bei Vertriebserlösen, bei Werbung. Einzelne Verlage decken mit ihren digitalen Erlösen bereits die gesamten redaktionellen Kosten.
Das sind gute Nachrichten. Aber sie haben ein Verfallsdatum. Denn gleichzeitig rechnen rund 60 Prozent der Befragten damit, dass die gedruckte Zeitung innerhalb der nächsten 15 Jahre vom Markt verschwindet. Hinzu kommen Mehrkosten fürs weitere Print-Dasein: Zustellkosten, Druckkosten und Papierpreise steigen. Trotzdem wollen die Verlage der Umfrage zufolge weder Erscheinungstage streichen noch Qualität reduzieren.
Durchaus ein Widerspruch: Weitermachen wie bisher – und gleichzeitig alles verändern.
"Softlanding": Die Kunst des kontrollierten Abschieds
In der gemeinsamen Mitteilung von BDZV-Hauptgeschäftsführer Dr. Jörg Eggers und Highberg-Partner Christoph Mayer ist vom "Print-Softlanding" die Rede. Es geht nicht darum, das Gedruckte abzuwürgen. Es geht darum, das Geschäftsmodell mit möglichst langer Landebahn kontrolliert abzulösen – so, dass auf der anderen Seite das Digitalgeschäft stark genug ist, um die Last zu tragen. So, wie es auch die TV-Branche auf dem Weg in die Streaming-Zukunft erwägt.
Doch das ist leichter gesagt als getan. Denn der Konsolidierungsdruck im Zeitungs- und Zeitschriftenmarkt wächst. Kleinere Verlage sichern sich durch Kooperationen ab, etwa bei Infrastruktur, Technik, Distribution. Größere treiben die Marktkonzentration voran. Die Branche bewegt sich in Richtung weniger, aber größerer Gruppen.
Und dazwischen: 45 Prozent der Befragten geben an, stark oder sogar existenziell von Traffic auf ihren Webseiten abhängig zu sein, den Big-Tech-Plattformen (noch) auf ihre Online-Auftritte schaufeln.
KI: Effizienzhebel oder Kontrollverlust?
97 Prozent der Verlage glauben laut der Trendumfrage 2026, dass Künstliche Intelligenz positive Effekte erzielen kann. Zwischen 60 und 80 Prozent rechnen dabei in Redaktion, Lesermarkt, Werbemarkt und Verwaltung mit Einsparungen – aber meist unter zehn Prozent. Kein Turbo, aber aus Sicht der Verlage ein Hebel für mehr Effizienz.
Aber Stefan Betzold von Bauer Media brachte beim "Future Media Now"-Kongress den anderen Teil der Geschichte auf den Tisch: KI-Systeme lernen seit Jahren von Verlagsinhalten – ohne dass die Verlage darüber Kontrolle hatten. Diese Kontrolle zurückzugewinnen sei jetzt die Aufgabe. Um den Zugriff von Bots auf Websites zu kontrollieren und zu steuern, brauche es allerdings branchenweite Standards und regulatorische Unterstützung auf EU-Ebene, so der Verlagsmanager.
KI als Chance nutzen – und gleichzeitig als Risiko managen
Die Verlagsbranche 2026 ist keine sterbende Branche. Sie ist vielmehr eine Branche in einer kritischen Phase. Es gilt, jetzt Weichen zu stellen. Optimismus scheint durch, weil die meisten Häuser wissen, wohin die Reise geht. Die Frage ist aber: Reichen Geduld, Ausdauer und Kapital für die lange Landebahn?
Auch wenn die MTM als Konferenz bis zum 21. Oktober 2026 pausieren: Wir bleiben präsent! Die Zusammenfassungen wichtiger Panel-Diskussionen sowie Bildmaterial der 39. MEDIENTAGE MÜNCHEN stehen im Info-Bereich der MEDIENTAGE-Homepage und auch im MTM-Blog bereit. Bilder für den Download (Quelle: Medien.Bayern GmbH/MEDIENTAGE MÜNCHEN) sind in der Mediathek zu finden.
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