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title: "Digitalmacht China: Chancen und Kehrseiten"
description: Chinas digitaler Durchmarsch ist mit Marken wie Baidu, Alibaba und WeChat verbunden. Eyes on China @MTM19 beleuchtet Vor- und Nachteile des Social Booms.
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# Digitalmacht China: Chancen und Kehrseiten

 24. Juli 2019

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Von   
[Petra Schwegler](https://blog.medientage.de/author/petra-schwegler)

Thema  
[Facebook](https://blog.medientage.de/tag/facebook), [AI](https://blog.medientage.de/tag/ai), [PR](https://blog.medientage.de/tag/pr), [Trends](https://blog.medientage.de/tag/trends), [International](https://blog.medientage.de/tag/international), [Social Media](https://blog.medientage.de/tag/social-media), [E-Commerce](https://blog.medientage.de/tag/e-commerce)

Der rasante Aufschwung Chinas zu einer Digitalmacht kann zeitlich genau eingeordnet werden. Er ist untrennbar mit Shenzhen verbunden. Aus dem unweit von Hongkong gelegenen, einstigen Fischerdorf ist ein Zentrum der Innovation mit weltweiter Ausstrahlung geworden.

1981 von der chinesischen Regierung zur Zone für Marktwirtschaft erklärt, hat sich Shenzhen seit 2014 zur Wiege von **Huawei** & Co entwickelt – zu "[Chinas Hauptstadt der Hardware](https://www.nzz.ch/wirtschaft/shenzhen-chinas-hauptstadt-der-hardware-ld.1448786)", wie es die Schweizer Zeitung NZZ formuliert. **Felix Lee**, China-Korrespondent der **taz**, schildert beim China@MTM19-Special der **Medientage München** "[Eyes on China 2019](https://medientage.de/china-mtm19/)", in welch rasanter Zeit in der Region technologisches Know-how aufgebaut wurde.

So leitet heute so manch klassischer Wanderarbeiter, der einst beim chinesischen **Apple**-Zulieferer **Foxconn** an iPhones schraubte, ein wegweisendes Startup-Unternehmen. Lee beschreibt den Campus-Charakter  von Shenzhen; er ist dem des Silicon Valleys in Kalifornien sehr ähnlich. Die IT-Pioniere in den USA haben China genau im Visier: Apple beispielsweise ist längst auch in Shenzhen vertreten, um das dort entstandene Fachwissen für eigene Forschungszwecke zu nutzen.  

###### Die Hardware ist das eine, die gesellschaftlichen Veränderungen das andere

 "Chinas digitaler Aufstieg innerhalb des letzten Jahrzehnts wurde durch die Unruhen 2009 in Xinjiang und Tibet ausgelöst", führt taz-Autor Felix Lee als zweiten Grund für den Digitalisierungs-Boom an. Der Widerstand damals wurde über soziale Plattformen wie **Facebook** organisiert.

In der Folge sperrte die rigide Volksrepublik das westlich inspirierte Social Web hinter die "[Great Firewall](https://www.investopedia.com/articles/investing/042915/why-facebook-banned-china.asp)" – die Geburtsstunde zahlreicher chinesischer Digitalmarken. Sie fanden laut Felix Lee rasend schnell Zuspruch, Riesenunternehmen wie **WeChat** konnten sich entwickeln. "Inzwischen sind die chinesischen Angebote witziger und umfassender in der Anwendung", betont der Journalist, der zuletzt sieben Jahre lang vor Ort in China für die taz wirkte.

![Eyes on China](https://blog.medientage.de/hs-fs/hubfs/Eyes%20on%20China.png?width=768&name=Eyes%20on%20China.png)

Chinas Digitalisierung setzte ergo zu einem Zeitpunkt ein, als der Westen längst mit dem Smartphone vernetzt war. Entsprechend groß konnte der Zuspruch der Chinesen ausfallen: Bereits 2015 toppte ihre Netznutzung die der US-Amerikaner. Die einheimische Suchmaschine **Baidu**, aber auch der Digitalkonzern **Tencent** und der Onlinehändler **Alibaba** setzten sich an die Spitze ab. Inzwischen ist das Land dabei, Vorreiter bei eMobility, zu werden, milliardenschwere staatliche Forschungsprogramme fördern die Künstliche Intelligenz (AI).

"Gerade im Handel werden manche Entwicklungsschübe übersprungen", beschreibt Felix Lee die digitale Lage im Riesenreich. Selbst der Reisbauer bestellt heute online und wird fündig bei Alibaba, das auch den letzten Winkel Chinas mit Gütern versorgen möchte.

Kein Wunder, dass sich die schwächelnde Weltmacht USA im Aufschwung einklinkt: Ganz frisch ist der Deal, [mit dem sich der chinesische Gigant US-Verkäufern öffnet](http://www.turi2.de/aktuell/alibaba-laesst-us-verkaeufer-auf-seine-grosshandels-plattform/). Büroartikel und Frischwaren aus den Vereinigten Staaten machen den Anfang bei Alibaba. Der 1999 gegründete chinesische Konzern könnte sich damit klar weiter gegen **Amazon** positionieren.

###### Was macht der Digitalisierungs-Boom mit den Chinesen?

Der Wandel in der Gesellschaft Chinas ist extrem. **Marco Fischer,** Global Account Direktor beim international tätigen Marktforschungsunternehmen **Kantar**, war selbst in den Jahren des digitalen Durchbruchs im Land. Damals wirkte der Manager für die Automarken **BMW** und **Porsche**, aber auch fürs Beratungsunternehmen **PwC**, die die Chancen im expansiven chinesischen Markt nutzen wollten. Fischer hat ebenso wie Felix Lee miterlebt, wie Millionen Chinesen zum Smartphone griffen und seither wie elektrisiert auf die kleinen Bildschirme starren.

Folgende Zahlen zur Digitalmacht China hat Marco Fischer beim China@MTM19-Special im Gepäck:

- Kantar zählt derzeit 829 Millionen Internetnutzer in China.
- 60 Prozent aller Chinesen haben Internetzugang – 98 Prozent davon gehen via Smartphone ins Netz – das entspricht 817 Millionen Nutzern.
- Zwei Smartphones sind bei vielen Chinesen Usus.
- Mobile Payment ist ein großes Thema – 583 Millionen Chinesen bezahlen bereits über den Klick für ihre Einkäufe.

Kantar veranschaulicht, wie eine typische Minute im chinesischen Netz inzwischen aussieht:

- Allein eine Million Euro Umsatz macht in diesem kurzen Zeitraum der Alibaba-Shop **Tmall**.

- WeChat bringt in 60 Sekunden ganze 1269 Artikel von Usern unter.

- Beim Nutzerportal **Red** mit unabhängigen Produktbewertungen tauchen innerhalb einer Minute 520.833 Markennamen auf, ohne dass Marken dort werben können.

- **TikTok**, Videoportal für die Lippensynchronisation von Musikvideos und anderen kurzen Bewegtbildclips sowie Funktionen eines sozialen Netzwerks, wächst in China rasant und kommt bereits auf 104.167 Werbekontakte pro Minute.

###### Wer profitiert?

Anbieter wie Tencent. Dessen App WeChat zählt laut Marco Fischer inzwischen allein über eine Milliarde chinesische Nutzer.

> "Man kann in China ohne WeChat fast nicht mehr überleben."   
> *Marco Fischer, Kantar*

Der Wandel geht rasant weiter, der Kantar-Manager zeigt eine spannende Entwicklung auf: Die aktuell präsenten Digitalunternehmen hinter dem Kürzel "BAT"  – Baidu, Alibaba, Tencent – werden gerade von einer zweiten Generation eingeholt beziehungsweise überholt. Die Chinesen integrieren die Nachrichtenplattform **Toutiao**, den Dienstleistungs-Multi **Meituan Dianping** und **Didi**, Adresse für smarte Mobilität, zunehmend in ihr digitales Leben.

"TMD" bedrängt also "BAT". Allein Meituan Dianping galt im Jahr 2018 bereits als "[Chinas Super-App](https://www.manager-magazin.de/digitales/it/meituan-dianping-milliarden-fuer-den-kampf-gegen-alibaba-a-1214854.html)“ mit einer Börsenbewertung in Höhe von 60 Milliarden Dollar.

###### Wo führt das hin?

Marco Fischer betont: "Aus der Copy Cat China ist ein Innovationsführer geworden." Voice, Smart Speakern und AI räumt der Kantar-Mann "riesiges Potenzial" ein. Er geht von einem nochmals beschleunigten Wachstum digitaler Anwendungen aus, zumal viele Chinesen die komplexe Lautschrift nicht beherrschen und sie so umgehen können.

Voice Command wird aus Fischers Sicht schon in Kürze Standard bei Alibaba & Co sein. In der Tencent-Kantine übernimmt bereits ein System mit Gesichtserkennung für die Mitarbeiter die Bezahlung des Mittagsmahls.

###### Und die Kehrseite?

Die Volksrepublik China nutzt die zunehmende Vernetztheit ihrer Bürger sowie die Datenmengen, die die Chinesen ununterbrochen im Web absetzen, zur sozialen Kontrolle. Marco Fischer weist auf den restriktiven Zugang für Millionen Menschen hin - unter anderem zur Mobilität.

Nach Expertenschätzungen sind 13,5 Millionen Chinesen aufgrund ihres Social-Media- und Netzverhaltens nicht mehr kreditwürdig, 20,5 Millionen dürfen demnach keine Zugtickets mehr kaufen, für 5,7 Millionen ist das Fliegen tabu. Die Gründe seien divers, es reiche schon, wenn das Verhalten des Bürgers als unwürdig für China eingestuft werde. Marco Fischer, der das "Reich der Mitte" persönlich als freundlich und offen kennengelernt hat, kennt die Schattenseiten des Landes: "Persönlichkeitsrechte sind nicht relevant.“

Es geht noch weiter: 2020 will China das "Social Credit"-System flächendeckend einführen. Wer die Familie versorgt oder die Gemeinschaft in irgendeiner Form unterstützt, sammelt Punkte. "Heldenhafte" Dinge würden mit Kredit belohnt, "Vergehen" wie das Überfahren roter Ampeln sollen mit Abzügen geahndet werden, wie der Kantar-Manager erklärt.

Das ist die Kehrseite des Social Booms.

> [@politchecker](https://twitter.com/politchecker?ref_src=twsrc%5Etfw) beim [#mtm19](https://twitter.com/hashtag/mtm19?src=hash&ref_src=twsrc%5Etfw) Special über [#China](https://twitter.com/hashtag/China?src=hash&ref_src=twsrc%5Etfw): Die totale Überwachung der chin. Gesellschaft hat auch Implikationen für westliche Demokratien und ihr Verständnis von Datenschutz: Wer im technologischen Wettlauf mithalten will, muss Daten sammeln und nutzen. [pic.twitter.com/XmK1Hg3dAh](https://t.co/XmK1Hg3dAh)
> 
>  — Medientage München (@medientage\_de) [July 23, 2019](https://twitter.com/medientage_de/status/1153698925636935680?ref_src=twsrc%5Etfw)

Zunächst stehen allerdings die Chancen für die nationale und auch internationale Wirtschaft im Wachstumsmarkt China im Vordergrund. **Janette Lajara**, die die strategische Konzeption bei **Oliver Schrott Kommunikation** betreut, skizziert beim China@MTM19-Special der Medientage München den Aufschwung im PR-Markt.

Die Nachfrage nach kompetentem Personal sei enorm, die Fluktuation in internationalen Kommunikationsagenturen in China sehr hoch. Ein heftiger Kampf um Talente ist laut Janette Lajara entbrannt.

> Janette Lajara von [@OSK\_Germany](https://twitter.com/OSK_Germany?ref_src=twsrc%5Etfw) berichtet beim [#mtm19](https://twitter.com/hashtag/mtm19?src=hash&ref_src=twsrc%5Etfw) Special über China über PR- und Kommunikationsarbeit in [#China](https://twitter.com/hashtag/China?src=hash&ref_src=twsrc%5Etfw): Design, Kreativität und Content-Kompentenz als wichtiges Asset für die Betreuung internationaler Kunden in China. [pic.twitter.com/homdrktv0T](https://t.co/homdrktv0T)
> 
>  — Medientage München (@medientage\_de) [July 23, 2019](https://twitter.com/medientage_de/status/1153702580687687680?ref_src=twsrc%5Etfw)

Ein hoch dynamischer Markt. Die kommenden [33. Medientage München](https://medientage.de/) vom 23. bis 25. Oktober 2019 werden am ersten Kongresstag einen Schwerpunkt auf China setzen.

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