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"Manchmal kann auch von kleineren Akteuren viel bewegt werden"

10. Oktober 2019

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Medienhäuser feiern Anwendungen der Künstlichen Intelligenz, transformieren sie doch Inhalte und lassen neue Geschäftsmodelle entstehen. Aber wohin führt die maximale Personalisierung von Medienangeboten? Befeuert sie Filterblasen und beeinflusst sie die Meinungsbildung entsprechend? Wer bewacht die "Gatekeeper" im Journalismus? Welche ethischen Grundprinzipien braucht die Künstliche Intelligenz?
Fragen, mit denen sich die Wissenschaftlerin Sonja Kretzschmar auseinandersetzt. Die Professorin für Innovation im Journalismus und Prodekanin an der Universität der Bundeswehr München wird auf den 33. Medientagen München darüber sprechen, wieviel Ethik die Künstliche Intelligenz braucht. Im Interview mit dem Blog der Medientage legt Sonja Kretzschmar dar, dass sich moralisches Handeln in Redaktionen sehr wohl auszahlt. 


Frau Kretzschmar, im Studiengang Management und Medien an der Universität der Bundeswehr München unterrichten Sie seit diesem Jahr Medienethik. Was gab den Anstoß, dieses Fach in die Journalistenausbildung aufzunehmen?

In unserem Studiengang arbeiten die Studierenden von Beginn an praktisch journalistisch. Wir haben in den letzten Jahren bemerkt, dass vielen gar nicht bewusst ist, dass sie im Journalismus eine verantwortungsvolle Tätigkeit ausüben, die sich nicht nur in den legalen Grenzen des Medienrechts bewegen muss. Verantwortungsvolles Handeln ist auch eine Frage der Ethik.

Wir wollen unsere Studierenden von Anfang zum Nachdenken bringen, was das im journalistischen Alltag heißen kann und wir wollen ihnen Richtlinien mitgeben, an denen sie sich orientieren können, wenn sie journalistisch handeln. Das ist wichtiger denn je. 


Künstliche Intelligenz wird von Medien größtenteils positiv bewertet, sorgt sie doch für neue digitale Geschäftsmodelle. Gibt es aus Ihrer Sicht bei den Anbietern ein Interesse, die mediale Digitalisierung in moralischen Grenzen voranzutreiben?

Die Debatte um künstliche Intelligenz ist vielfältig; das wirtschaftliche Potenzial steht tatsächlich oft im Vordergrund. Aber auch hier wird bereits gesehen, dass eine Ethikberatung für Unternehmen Sinn machen kann, wenn es beispielsweise Teil der Corporate Social Responsibility ist. Dies muss und sollte auch für den Medienbereich gelten, denn Medien tragen eine große gesellschaftliche Verantwortung, oft in größerem Umfang als rein kommerzielle Unternehmen.    


Seit dem Frühjahr existieren sogar Richtlinien der Europäischen Union für Ethik und KI. Hat sich das Regelwerk als Fundament für einen moralischeren Umgang mit Medienangeboten bereits bewährt?

Es ist ein wichtiger Schritt der EU, diese Regeln herauszugeben; sie müssen zwar durchaus kritisch gesehen werden, andererseits ist es ein Fortschritt, dass es sie überhaupt gibt. Damit hat die EU zumindest eine Diskussionsgrundlage geschaffen.

Die Diskussion, wie Medienanbieter KI ethisch verantwortungsvoll einsetzen, steht aber noch am Anfang. Diese Debatte muss und sollte geführt werden, denn letztlich geht es um Vertrauen, was für Medienanbieter ein zentrales Gut ist.   


Profitieren Medien von einem Mehr an Ethik?

Es kommt sicher darauf an, welche Medien Sie meinen und wie Sie Profit definieren. Nutzer bringen Medien viel Vertrauen entgegen, öffentlich-rechtlichen Anbietern und überregionalen Tageszeitungen zum Beispiel besonders viel. Gerade bei diesen Medien gehört es zum Markenkern, diesem Vertrauen auch durch ethisch verantwortungsvolles Handeln gerecht zu werden.

Wenn das Vertrauen in die Marke nicht verwässert werden soll, dann ist gerade für diese Medien ein ethisch verantwortungsvolles Handeln wichtig. Von einer starken Marke profitieren sie natürlich, es ist daher durchaus sinnvoll und zielführend. 


Mit Blick auf die wirklich großen und einflussreichen Player bei den Nutzern, die Digitalriesen aus den USA, bleibt die Frage: Was nützt es, wenn sich deutsche und europäische Medien in Sachen KI einen ethischen Kodex auferlegen?

Diese Debatte um ethische Kodizes, die wir in Europa führen, wird in den USA sehr wohl wahrgenommen. Gerade kleinere Player haben es oft leichter, zentrale Themen anzusprechen und schneller zu agieren. Hier kann sowohl Europa als auch Deutschland Impulse für eine Debatte geben, die weitreichende globale Konsequenzen für unendlich viele Menschen hat.

Die Größe der Player ist nicht immer entscheidend; auch Greta Thunberg ist unterschätzt worden. Manchmal kann auch von kleineren Akteuren viel bewegt werden, wenn sie denn handeln.

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Prof. Dr. Sonja Kretzschmar wird den zweiten Tag der 33. Medientage München am 24. Oktober 2019 mit einem Impulsvortrag und als Diskussionsteilnehmerin des Workshops "Mensch, Maschine und Moral - Wieviel Ethik braucht die Künstliche Intelligenz?" auf der Main Stage begleiten. 

 

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