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Produktions-Maschine KI? Video und Werbung neu gedacht

26. März 2026

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Generative KI verändert nicht nur Newsrooms oder auch Streaming-Formate, sondern vor allem die Geschäftsmodelle dahinter. Künstliche Intelligenz wird so zunehmend zum unsichtbaren Betriebssystem von Content, Bewegtbild und Werbung. Hier eine Übersicht, wie die Reklame als wichtige Erlösquelle der Medien die Entwicklung begleitet, welche Rolle die Bandbreite als Wegbereiter der KI spielt und wie die Grenzen zwischen echt und generiert verschwimmen.

 

Künstliche Intelligenz ist im News- und Streaming-Alltag angekommen. Sie stellt ganz nebenbei das Geschäftsmodell dahinter auf den Kopf. Gerade in Marketing und Werbung hat generative KI den Schritt vom "Spielzeug" zur Infrastruktur längst gemacht: Über 70 Prozent der werbungtreibenden Unternehmen in Deutschland setzen GenAI heute bereits ein, von Meeting-Notizen bis hin zu Bild- und Video-Content. Rund zwei Drittel nutzen KI, um Inhalte auf eigenen Kanälen zu erstellen. Mehr als die Hälfte erzeugt damit kreative Konzepte und Bewegtbild.

Der nächste Schritt heißt "Agentic AI": Autonome, zielorientierte KI-Hilfskräfte, die Kampagnenabläufe eigenständig planen, Sehenswertes produzieren und über mehrere Schritte hinweg optimieren. Heute beeinflussen diese Systeme erst einen kleinen Teil der Marketingentscheidungen. Bis 2027 erwarten viele Unternehmen laut einer OWM-Umfrage aber, dass sie bis zu 30 Prozent der Entscheidungen mitsteuern. Das verändert Rollen: Es braucht künftig Spezialist:innen, die Ziele, Leitplanken und Markenbild definieren, während KI die operative Detailarbeit übernimmt.

 

Newsrooms im KI-Dauerbetrieb

Zurück zu den Medienhäusern. Newsrooms nutzen KI heute längst nicht mehr nur als Spielzeug, sondern als festen Teil der täglichen Produktion. Von Transkription über automatisierte Clips bis zu Visualisierungen und Social‑Posts unterstützen KI‑Tools Redakteur:innen in Routineaufgaben, beschleunigen Prozesse und erweitern die Reichweite.

Gleichzeitig zeigt eine Studie der globalen Initiative WAN-IFRA: KI ist noch kein autarker News‑Agent. Die Systeme stoßen schnell an Grenzen, wo Kontext, Nuancen und ethische Entscheidungen gefragt sind. Genannt werden zwar Beispiele, die in die Richtung eines "agentic newsroom" weisen.

Doch noch bleibt echte Autonomie Illusion: KI scheitert dort, wo Kontext, ethische Abwägung und publizistische Verantwortung gefragt sind. Aber sie verschiebt bereits jetzt Zeitbudgets, Routinen und die Anforderungsprofile in Redaktionen.

Spannend wird es, wenn aus den KI-Tools wirklich autarke Agenten werden. Systeme, die ganze Workflows abbilden – Material sichten, Texte und Grafiken erstellen, Fakten checken, rechtliche Hinweise prüfen und Beiträge für unterschiedliche Plattformen ausspielen, bevor noch ein Mensch final abnimmt. Hier liegt künftig viel Verantwortung bei Redaktionen

 

Streaming, Dokus und die neue Bildmacht

Im Bewegtbild öffnet KI derzeit Türen zu Szenen, die bisher unbezahlbar oder schlicht unmöglich waren. Frankreichs Canal+ etwa setzt KI in Produktion und Postproduktion ein, um spektakuläre Szenen zu generieren und Kosten zu reduzieren. Für Zuschauer:innen verschwimmt damit die Grenze: Was wurde tatsächlich gedreht, was wurde errechnet?

Genau daran entzündet sich die Debatte im Doku- und Factual-Bereich: Wie weit darf KI gehen, wenn historische Szenen nachgestellt oder komplexe Sachverhalte bildlich umgesetzt werden? Statt "Bauerntheater-Reenactments" locken nun Hochglanz-KI-Bilder, die emotional überzeugen, aber im Zweifel eine trügerische Präzision vorgaukeln.

Produzent:innen und Sender stehen vor einer neuen Transparenzpflicht: Kennzeichnung, Kontext, Making-of – alles wird Teil der jetzt notwendigen Glaubwürdigkeitsstrategie.

Dass Fehler hier nicht theoretisch sind, zeigt der ZDF-Fall: Im "heute journal“ liefen nicht gekennzeichnete KI-Bilder und Fremdmaterial aus anderem Kontext, wofür der Sender sich öffentlich entschuldigen musste. Die Konsequenz: strengere Verifikationsprozesse, klare Quellenhierarchien für Fremdmaterial und eine explizite Stärkung der Fehlerkultur. KI wird damit nicht nur Produktions-Helfer, sondern auch ein Risiko, das redaktionell aktiv gemanagt werden muss.

 

KI als emotionale Bestätigung: Achtung beim Teilen!

Künstliche Intelligenz wird heute nicht nur genutzt, um neue Inhalte zu erzeugen, sondern auch, um unsere Emotionen zu bestätigen und unsere Meinung zu stärken. Da beginnen allerdings die Gefahren. Woran erkennt man, was echt ist und was nicht?

Das Team der Budapester KI-Filmproduktion Umbrella hat ein Whitepaper herausgegeben, um künstlich Generiertes von originären Inhalten unterscheiden zu können. Besonders auffällig wird es demnach, wenn ein Video, ein Bild oder eine Nachricht verdächtig genau das sagt, was man hören möchte. Wenn der "Gegner" genauso reagiert, wie man es erwartet, wirkt alles perfekt. Genau darin liegt Umbrella zufolge ein Warnsignal und man sollte man sich fragen: Ist das nicht zu bequem, zu einseitig, zu perfekt?

Ein weiterer Punkt sind Umbrella zufolge teilweise veränderte Bilder. Oft wird kein komplett neues Motiv generiert, sondern ein bestehendes Foto oder Video leicht verändert. Auf den ersten Blick wirkt alles echt, aber im Detail sind kleine, entscheidende Unterschiede zu erkennen. Die Motive wirken übertrieben scharf, emotional aufgeladen oder zu stilisiert. Daher sollte man bei Bildern besonders skeptisch sein, frühere Versionen suchen und nie einfach "es sieht echt aus" mit "es ist echt" gleichsetzen.

Umbrella Collective_KI Guide_Beispiele KI Inhalt_CollageEs fällt nicht mehr leicht, echt von KI-generiert zu unterscheiden: Tipps gibt Umbrella (Motive: Unternehmen) 

Generell empfehlen die Ungarn als ersten Schritt ein kurzes Innehalten, vor allem, bevor man teilt: Woher kommt dieser Inhalt? Zu welchem Zweck wurde er erstellt? Warum passt er so gut zu meinen eigenen Erwartungen?

Ein einziger Klick kann große Wirkung entwickeln und, wenn dahinter ein manipulierter Content steckt, auch Schaden anrichten.

 

KI-Kompetenz in der Werbung gefragt

Für Werbung und Vermarktung gleicht KI einer tektonischen Verschiebung. Wenn KI-Interfaces die Aufmerksamkeit bündeln, verlieren klassische Spot-Platzierungen an Reichweite – und damit an Erlöskraft für redaktionelle Angebote.

Gleichzeitig wachsen die Erwartungen ans Marketing. Personalisierte, kontextuelle und KI-optimierte Kampagnen, die in Echtzeit auf Signale reagieren und über Agenten gesteuert werden, werden zum Standard.

Die OWM-Umfrage zeigt, wie stark Werbungtreibende von Agenturen KI-Kompetenz einfordern, inklusive Transparenz darüber, wo, wie und mit welchem Effekt die Künstliche Intelligenz im Kampagnenprozess eingesetzt wird. Konsument:innen wiederum akzeptieren zwar KI-gestützte Kaufvorschläge, erwarten aber eine klare Kennzeichnung und menschliche Kontrolle, vor allem in sensiblen Bereichen.

Für Medien mit ihren Werbeumfeldern heißt das: Die Werbeprodukte, das Reporting und Targeting müssen für KI bereit sein, ohne die publizistische Hoheit und Glaubwürdigkeit preiszugeben.

Und wenn die Bandbreite nicht mitzieht?

All diese KI-optimierten Streaming-Erlebnisse brauchen eines: stabile Netze. Deutschland liegt bei der durchschnittlichen Festnetz-Downloadgeschwindigkeit zwar im höheren zweistelligen Mbit/s-Bereich, doch die Spanne zwischen Stadt und Land bleibt erheblich. Je datenintensiver KI-generierte Hochglanzbilder, 4K-Streams und interaktive Formate werden, desto größer die Gefahr einer neuen digitalen Spaltung zwischen denen, die ruckelfrei im KI-optimierten Stream leben, und jenen, bei denen das Netz nicht hinterherkommt.

Für Programmplanung und Vermarktung muss das berücksichtigt werden. Adaptive Qualitätsstufen, Download-Optionen, Audio-First-Angebote und datenärmere Video-Formate gewinnen an Bedeutung.

Wer KI im Bewegtbild nutzt, muss immer auch Infrastruktur denken – sonst bleibt der schönste Agenten-Workflow im Backend hängen, während beim Publikum nur der Ladebalken läuft.

 


Das neue MTM SPECIAL AI & MEDIA zu Künstlicher Intelligenz in der Bewegtbild-Branche findet am 21. und 22. April 2026 in der HFF München statt. In Keynotes, Panels und Masterclasses geht es um aktuelle Anwendungen, rechtliche Fragen und neue Perspektiven für den Einsatz von KI in der Medien- und Filmproduktion. Tickets? Gibt es hier.


Interessiert an Themen rund um die Medienbranche? Dann ist hier im Blog der MEDIENTAGE MÜNCHEN noch mehr Lesenswertes zu finden. Zudem können zahlreiche Medienthemen auch gehört werden: im Podcast "This is Media NOW".

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