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Was das Medienjahr 2024 mit sich bringt

17. Januar 2024

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Die Wissenschaftler:innen des britischen Reuters Institute bleiben dieses Mal eher vage: Denn ins Jahr 2024 wirken die massiven Veränderungen der von Krisen und KI geprägten Vorjahre hinein. Wo wegweisende Technologien hinführen, wie der Journalismus Vertrauen zurückgewinnen und wie Content langfristig finanziert werden kann – viele Weichen könnten laut der neuesten Analyse im Rahmen des Digital News Projects in den kommenden zwölf Monaten gestellt werden.  

 

Viel Arbeit steht für Medienschaffende im Jahr 2024 an. Und manche Unternehmen könnten sich an einem Scheideweg wiederfinden. Das wird durch die aktuelle Studie „Journalism, Media, and Technology Trends and Predictions 2024“ deutlich. Das Reuters Institute for the Study of Journalism an der Universität von Oxford hat das jährliche Update, das auf Online-Interviews unter 314 digitalen Führungskräften in 56 Ländern basiert, jetzt vorgelegt.

Autor Nic Newman Senior Research Associate Senior Research Associate im Reuters Institute, formuliert die Hausaufgaben so:

„Zukunftsorientierte Nachrichtenorganisationen werden versuchen, einzigartige Inhalte und Erlebnisse zu erstellen, die von KI nicht einfach reproduziert werden können. Dazu können das Kuratieren von Live-Nachrichten, tiefgreifende Analysen, menschliche Erfahrungen, die eine Verbindung aufbauen, sowie längere Audio- und Videoformate gehören, die möglicherweise vertretbarer sind als Text. Sie werden sich aber auch auf den Einsatz von KI-Technologien konzentrieren, um ihre Unternehmen in einem zunehmend schwierigen Wirtschaftsklima effizienter zu machen. Gleichzeitig werden sie daran arbeiten, Inhalte so zu verpacken und zu verbreiten, dass der Journalismus für verschiedene Zielgruppen relevanter wird und so Probleme wie geringes Engagement und selektive Nachrichtenvermeidung angegangen werden.“

Wissen wollte das Team, welches die Trends sind, die die Nachrichtenbranche in naher Zukunft vorantreiben, und welche Chancen sich für die Medienhäuser abzeichnen. Hier die wichtigsten Ergebnisse.

 

So steht der Journalismus da

Das britische Team hält fest, dass der Optimismus in vielen Führungsebenen schwindet. Nicht einmal die Hälfte (47 Prozent) der befragten Redakteur:innen, CEOs und digitalen Führungskräften gibt dieses Jahr an, zuversichtlich hinsichtlich der Aussichten für den Journalismus zu sein, während zwölf Prozent geringes Vertrauen zum Ausdruck bringen. Ihre Bedenken beziehen sich auf steigende Kosten, sinkende Werbeeinnahmen und eine Verlangsamung des Abonnementwachstums – sowie auf zunehmende rechtliche und körperliche Belästigung.

Fast zwei Drittel (63 Prozent) der Befragten geben an, dass sie über einen starken Rückgang des Empfehlungsverkehrs von Social-Media-Seiten besorgt sind. Daten, die für diesen Bericht vom Analyseanbieter Chartbeat stammen, würden zeigen, dass der Traffic auf Nachrichtenseiten von Facebook im Jahr 2023 um 48 Prozent zurückgegangen sei, via X/Twitter um 27 Prozent. 77 Prozent der Führungskräfte wollen sich in der Folge auf ihre Direktkanäle konzentrieren, jede:r Fünfte experimentiert mit alternative Plattformen von Drittanbietern.

Konkret sagen die Publisher demnach, dass sie nach der Entscheidung von Meta, Broadcast-Kanäle für Verlage zu öffnen, mehr Kraft in WhatsApp und Instagram stecken werden. Die im Herbst 2023 freigeschaltete Kanal-Funktion bei WhatsApp wird dabei als besonders vielversprechend eingestuft. Der neue Kurznachrichtendienst Threads von Meta, Alternative zur X-Plattform von Elon Musk, könnte dieses Jahr eine größere Rolle in den Nachrichten spielen, meinen die vom Reuters Institute Befragten.

Und: Das Interesse an Videonetzwerken wie TikTok und YouTube bleibe groß, heißt es. Vor allem, um jüngere Zielgruppen anzusprechen, die den klassischen Medien verloren gehen. Alles in allem wollen die befragten Publisher mehr Videos (64 Prozent), mehr Newsletter (52) und mehr Podcasts (47) anbieten.

Schwindendes Vertrauen und Abkehr von klassischen Medien beschäftigt die Häuser weiterhin: „Die doppelte Gefahr der selektiven Nachrichtenvermeidung und der Nachrichtenmüdigkeit ist nach wie vor ein großer Grund zur Sorge für Medienunternehmen, die ihr Interesse an Nachrichten aus Gaza und der Ukraine sowie anderen schwierigen Geschichten aufrechterhalten möchten.“

Hier die Strategien, die Publisher als sehr wichtig erachten, um diesen Trends entgegenzuwirken:

 

Ein Trend der sich laut den Journalism, Media, and Technology Trends and Predictions 2024fortsetzt: Die Medienbranche wird der Studie zufolge in diesem Jahr noch mehr Zeitungen sehen, die die tägliche Druckproduktion einstellen, da die Druckkosten steigen und die Vertriebsnetze schwächer werden.

„Erwarten Sie eine deutliche Verschiebung hin zur Bündelung digitaler Nachrichten- und Nicht-Nachrichteninhalte, da große Verlage versuchen, bestehende Kunden zu gewinnen“, betont Nic Newman. Alle Zugangsabonnements umfassen Spiele, Podcasts, Zeitschriften, Bücher und sogar Inhalte von anderen Verlagen. Auch große Technologieplattformen würden stärker auf kostenpflichtige Geschäftsmodelle setzen, um ihre Abhängigkeit von Werbung zu verringern.

Positiv stimmt die Wissenschaftler:innen, dass eine Reihe von gehobenen Publishern nun „einen Weg zu nachhaltigem Wachstum in einer Kombination aus digitalen Abonnements und anderen Einnahmequellen sehen können“.

Es bestehe zudem die Hoffnung, dass ein Wahl- und Sportjahr die Zahl der engagierten User steigern und dazu beitragen könnte, der Fragmentierung des Publikums und der Vermeidung von Nachrichten entgegenzuwirken. Insgesamt, hält das Reuters Institute fest, sei die Stimmung in den Umfrageantworten „geprägt von starkem Glauben an den Wert des Journalismus, aber großer Unsicherheit über das Jahr, angeheizt durch das Wissen, dass eine weitere große Welle technischer Störungen bevorsteht“.

 

KI gehört zum Relevant Set

„Die disruptive Kraft der künstlichen Intelligenz (KI) wird in diesem Jahr in einer Zeit intensiver politischer und wirtschaftlicher Volatilität auf der ganzen Welt den Informationsraum erobern“, schreibt Nic Newman.

Die Auswirkungen auf die Zuverlässigkeit der Informationen und die Nachhaltigkeit der Mainstream-Medien dürften demnach tiefgreifend sein in einem Jahr, in dem in mehr als 40 Demokratien wichtige Wahlen anstehen und in Europa und im Nahen Osten weiterhin Kriege toben. Vor diesem Hintergrund – und da Prognosen darauf hindeuten würden, dass die überwiegende Mehrheit aller Internetinhalte bis 2026 synthetisch produziert wird – müssten Journalist:innen und Nachrichtenorganisationen ihre Rolle und ihren Zweck „dringend überdenken“, betont der Studienautor.

 

Auch steht die Verbreitung der Inhalte dank KI vor einem großen Umbruch: In diesem Jahr werden Search Generative Experiences (SGE) im gesamten Internet eingeführt, zusammen mit einer Vielzahl von KI-gesteuerten Chatbots, die eine schnellere und intuitivere Möglichkeit bieten, auf Informationen zuzugreifen. Einerseits verringert dies die Abhängigkeit der Publisher von den Technologieplattformen wie Google. Zugleich wüssten die Anbietenden um das Risiko, dass es dadurch noch schwieriger werde, jüngere und weniger gebildete Zielgruppen zu erreichen.

Eine weitere Prognose lautet, dass der Kampf um das Urheberrecht bevorstehe. Zumal „KI-Kraftpakete“ wie OpenAI und Google ihre Systeme auf historischen Daten trainieren oder Nachrichten in Echtzeit bereitstellen würden. Die Klage der New York Times gegen OpenAI wegen angeblicher Urheberrechtsverletzung dürfte nur die erste von vielen sein.

Eine laufende Studie des Reuters Instituts lege nahe, dass bis Ende 2023 etwa die Hälfte der Top-Verlage großen KI-Plattformen den Zugriff auf ihre Inhalte nicht mehr gestattet haben. Durch den Entzug der Erlaubnis seien Publisher in einer besseren Position, Geschäfte mit den Plattformen abzuschließen. Die „bahnbrechende“ Vereinbarung zwischen Axel Springer und OpenAI, die für Inhalte von Bild, Politico und Business Insider einen Wert von mehreren zehn Millionen Euro pro Jahr haben soll, werde von einigen als mögliches Modell für die gesamte Branche angesehen, heißt es. Denn es unterteile die Vereinbarung in eine Pauschalgebühr für historische Daten mit einer laufenden jährlichen Gebühr für neue Inhalte sowie zusätzliche Zahlungen für Inhalte, die von AI am häufigsten verwendet werden.

Weiter heißt es in dem Werk zum Thema KI: „Mit Veränderungen gehen Chancen einher, und dieser Bericht ist voller inspirierender Möglichkeiten, wie sich Nachrichtenorganisationen auf der ganzen Welt an diese neue Welt anpassen. Die Kernaussage des kommenden Jahres wird darin bestehen, das Beste der KI zu nutzen und gleichzeitig ihre Risiken zu managen.“

 

So verändert KI bereits die Redaktionsarbeit

Einige vielversprechende Experimente der Nachrichtenbranche aus den vergangenem Jahr nennt die Studie:

  • Zusammenfassungen: Eine Reihe von Publikationen, darunter Aftonbladet (Schweden) oder Helsingin Sanomat (Finnland), haben begonnen, am Anfang ihrer Artikel Zusammenfassungen „Snabbversions“ – platziert. Sie sollen das allgemeine Engagement erhöhen. Mit dem Effekt: Vor allem junge Leser würden sich eher durchklicken, um zusätzliche Informationen zu erhalten, heißt es.
  • Schlagzeilentests: Eine Reihe von Publikationen experimentiert mit KI-gesteuerten, für die Suche optimierten Schlagzeilen, die von der Redaktion überprüft werden.
  • Lektorat, Notizen, Transkription: Im Juni 2023 teilte Axel Springer mit, dass Berufe, die automatisiert werden könnten, wie etwa das Lektorat, „nicht mehr so existieren werden wie heute“. Auch die Transkriptionstools in diversen Sprachen haben sich 2023 deutlich verbessert.
  • Übersetzung: Le Monde nutzt KI zur Unterstützung bei der Übersetzung von Artikeln, sodass täglich rund 30 Geschichten in der englischen Ausgabe erscheinen – weit mehr, als zuvor möglich gewesen wäre. KI hilft bei der Erstübersetzung, es folgen mehrere menschliche Kontrollen. 
  • Bildgenerierung: Eine Reihe von Publikationen wie der Kölner Stadt-Anzeiger verwenden Tools wie Midjourney, um grafische Illustrationen zu Themen wie Technologie und Kochen zu erstellen.
  • Artikelerstellung: Die deutsche Boulevardzeitung Express.de hat eine virtuelle Journalistin namens Klara Indernach (KI) geschaffen, die mittlerweile mehr als fünf Prozent der veröffentlichten Artikel zu einem breiten Themenspektrum schreibt. Menschliche Redakteure entscheiden immer noch, welche Geschichten behandelt werden, und überprüfen jeden Inhalt. Das Schreiben, die Struktur und der Ton werden an die KI ausgelagert. Über das Verfassen hinaus ist nun auch die Kuratierung und Auswahl der Schlagzeilen und Links, die Verbraucher auf der Website sehen, automatisiert, was laut CEO Thomas Schultz-Homberg zu einer deutlichen Steigerung der Klickraten führt.
  • KI-Moderatoren und Nachrichtensprecher: Radio Expres in der Slowakei hat die Stimme eines beliebten Moderators (Bára Hacsi) geklont, dessen KI-Nachbildung (Hacsiko) nun die Nachtschicht abdeckt, komplett mit Kommentaren zur Musik und Nachrichten von der Nachrichten-Website des Unternehmens (Seznam Zprávy). ). Zwei Radiosender im Westen Englands nutzen eine synthetische Stimme, um Text in ein stündliches Radiobulletin umzuwandeln.
  • Erstellen von Fernsehsendern: Einen Schritt weiter geht NewsGPT, ein experimenteller 24-Stunden-Fernsehdienst auf YouTube, bei dem alle Geschichten und Moderatoren von KI generiert werden, ohne dass menschliches Eingreifen erforderlich ist. Ein kleiner Haftungsausschluss besagt, dass Inhalte Ungenauigkeiten oder unerwartete Ergebnisse enthalten können. Channel.1 AI mit Sitz in Los Angeles plant dem Report zufolge die Einführung eines personalisierten Nachrichtendienstes im Jahr 2024, der erfährt, welche Geschichten ein Zuschauer sehen möchte, und verspricht, diese in jeder Sprache bereitzustellen.  

 

Wie sich Medien finanzieren lassen

Der aktuelle Report macht deutlich, dass sich die wirtschaftliche Lage für viele Medienhäuser zuspitzt. Die anhaltende Volatilität auf dem Werbemarkt und die weitere Verlagerung des Publikums in Richtung Digital würden dieses Jahr aus geschäftlicher Sicht „erneut schwierig“ machen. In den Vereinigten Staaten gingen demnach im Jahr 2023 rund 20.000 Medienjobs verloren, etwa sechs Mal so viele wie im Vorjahr.

Die Briten verweisen auf Berichte, wonach in den Vereinigten Staaten jede Woche zwischen zwei und drei lokale Zeitungstitel schließen würden. Weite Teile der USA würden so als „Nachrichtenwüsten“ zurückbleiben.

Andere Titel überlebten als „Geisternachrichtenredaktionen“, die auf geteilte oder synthetische Inhalte angewiesen sind und keinen einzigen festen Reporter auf der Gehaltsliste haben. Auch TV-Nachrichtensender, die deutlich zu wenig in den digitalen Bereich investiert haben, stehen demnach unter Druck, da sich die Aufmerksamkeit des Publikums auf Streaming-Anbieter verlagere. Unterdessen würden sich digitale Marken wie Vice zurückziehen, die über soziale Plattformen Geschäfte aufgebaut haben.

Andererseits erkennen die Briten bei einer Vielzahl von Verlagen, die auf kostenpflichtige Modelle umgestiegen sind, einen positiveren Ausblick. Allerdings reichten die gestiegenen digitalen Einnahmen in vielen Fällen nicht aus, um den Rückgang der Print- und Werbeeinnahmen auszugleichen. „Das digitale Wachstum stagniert, während der Druck stark zurückgeht“, sei eine typische Geschichte, die man von nationalen und regionalen Verlagen in ganz Europa hört.

Die aktuellen IVW-Zahlen aus Deutschland unterstreichen die Aussagen; demnach ist Bild weiterhin die führende Paid-Content-Marke. Die Springer-Marke gewinnt (wohl auch dank starker Rabatte) 2023 mehr als 11 Prozent an digitaler „Auflage“ dazu und zählt 724.126 Abos. Springers Welt folgt mit 222.535 Abos, danach Madsacks RND (209.120) und die Süddeutsche Zeitung (173.871).

Der Rat des Reuters Institute: „Um zu überleben, müssen Medienunternehmen die digitale Welt voll und ganz nutzen und gleichzeitig die Einnahmen aus traditionellen Kanälen weiterhin unter Druck setzen. In vielen Teilen der Welt sind die Druckvertriebsnetze jedoch so geschwächt, dass wir kurz davor stehen, einen Punkt zu erreichen, an dem eine regelmäßige Lieferung nach Hause nicht mehr möglich ist.“

Die wichtigsten künftigen Einnahmequellen sind aus Sicht der Befragten: 

 

Für stabile Erlösströme sollten auf Anraten der Wissenschaftler:innen eine Reihe von Produkt- und Preisinnovationen in Erwägung gezogen werden:

  • Auf das Bundle kommt es an.
    Beispiel New York Times: Die Marke hat 2023 so viele ihrer Kunden wie möglich auf das „All-Access“-Paket umgestellt, das NYT Audio, The Athletic (Sport), Wirecutter (Rezensionen), Cooking und Games umfasst. Die Hoffnung: Mit der Zeit fällt es All-Access-Abonnenten möglicherweise schwerer, das Angebot zu verlassen, und der Preis kann erhöht werden. Auch nordeuropäische Verlage wie Schibsted, Amedia, Bonnier und DPG Media würden so ein Paket nutzen und lokale oder überregionale Publikationen mit Magazinen und kostenpflichtigen Podcasts zu einem One-Stop-Shop-Angebot bündeln. 2024 wird laut der Studie damit gerechnet, dass einige Publisher mit anderen Anbietern zusammenarbeiten, um ihrem Paket einen zusätzlichen Mehrwert zu verleihen.
  • Günstigere Produkterweiterungen
    Es wird damit gerechnet, dass mehr gehobene Nachrichtenmarken „Light“-Versionen anbieten, um ein – oft jüngeres – Publikum zu gewinnen, das sich für Nachrichten interessiert, aber nicht bereit oder nicht in der Lage ist, den vollen Preis zu zahlen. Beispiel: Die Financial Times, die täglich acht kuratierte Artikel für 4,99 Pfund pro Monat anbietet (FT Edit). Weitere kostengünstigere Produkte in der Pipeline umfassen Audio-Erstausgaben von Nachrichten sowie kombinierte Newsletter und Podcasts, die auf Nischen wie Elternschaft und Sport ausgerichtet sind.
  • Differenzierte Preisgestaltung
    Das Prinzip kommt aus der Telekommunikation. Aber da auch Medienhäuser auf zunehmend bessere User-Daten zugreifen können, geht der Reuters-Report von neuen Preismodellen aus. Sobald der anfängliche Testrabatt abgelaufen ist, berechnen Publisher dann einen Verlängerungspreis, der auf der Nutzung oder das Publikum handelt selbst einen Preis aus.

 Audio und Video als Brücke zum User

Alles in allem hält der Bericht fest: Mehr Audio- und Video-Angebote sind auf dem Weg - teils aufgrund neuer Geräte, teils weil Plattformen entstanden sind, die sich aufs Erstellen, Entdecken und Verbreiten von Hör- und Sehbarem spezialisiert haben. Und auch, weil viele jüngere User diese Formate dem Text vorziehen.

Einige Publisher würden diesen Formatwechsel als eine „zweite Phase“ der digitalen Revolution bezeichnen, heißt es in dem Werk, da er für viele alte Nachrichtenredaktionen einen erheblichen kulturellen Wandel weg von der Textproduktion hin zur Multimedia-Produktion erfordern werde. Die diesjährige Umfrage zeigt: Die meisten Nachrichtenorganisationen planen, im Jahr 2024 mehr Videos, mehr Podcasts (und mehr Newsletter) und im Großen und Ganzen die gleiche Anzahl an Textartikeln zu produzieren.


Bewegtbild wird zudem zunehmend via Social Media geliefert bzw. eingespielt. Beispiel: Da es etwa traditionellen Kriegsreporter:innen nicht möglich ist, nach Gaza zu gelangen, wurden viele der überzeugendsten Augenzeugenberichte von Menschen vor Ort erzählt, darunter einer neuen Generation, die mit Tools wie Instagram und TikTok vertraut ist.

Das Reuters Institute führt Plestia Alaqad als Beispiel für eine Anwohnerin an, deren Dokumentation der Kämpfe des täglichen Lebens eine persönliche Note verlieh, die in den Mainstream-Medien oft vermisst wurde. Gehäuft wird auch in deutschen TV-Nachrichten Material von Augenzeug:innen eingespielt und als Quelle gekennzeichnet. Die Mainstream-Medien versuchten generell, das Spektrum der Stimmen zu erweitern: Die TikTok-Berichterstattung der BBC beispielsweise werde mittlerweile teilweise von jüngeren Reportern moderiert, heißt es.

KI-basierte Tools, die die Sprache von Nachrichten ändern, um die Relevanz und das Verständnis für bestimmte Zielgruppen zu verbessern, werden in diesem Jahr ein zunehmender Bestandteil der Nachrichtenlandschaft sein, prognostizieren die britischen Wissenschaftler:innen. Artifact etwa ist eine Social-Newsreading-App, die Nachrichten in verschiedenen Stilen zusammenfassen kann. „Bots, Apps und Browsererweiterungen mit ähnlichen Funktionen werden sich im Jahr 2024 rasant verbreiten“, heißt es. 

Der Report „Journalism, Media, and Technology Trends and Predictions 2024“ ist hier abrufbar.

 


Welche Trends für den deutschen Medienmarkt im Vordergrund stehen dürften, wird ein Event im MedienNetzwerk Bayern - wie die Medientage München ein Unternehmen der Medien.Bayern GmbH – am 25. Januar 2024 thematisieren. Hier geht es zur kostenfreien Anmeldung.


Die Zusammenfassungen wichtiger Panel-Diskussionen sowie Bildmaterial der 37. MEDIENTAGE MÜNCHEN stehen in der Mediathek der Medientage-Homepage und auch im Blog der Medientage bereit.

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Die Medienthemen können auch gehört werden: im Podcast der Medientage München.

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