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30 Jahre live im TV: Bundesliga am Scheideweg

11. März 2021

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Für Fans kaum wegzudenken: Seit ziemlich genau 30 Jahren überträgt der Pay-TV-Anbieter Sky – damals noch bekannt als Premiere – die Fußballbundesliga live in deutsche Wohnzimmer. Ein Grund zum Feiern für den Medienkonzern, der viele Fußballfans zum treuesten Abo-Stamm zählt. Die allerdings ab Herbst zusätzliche Anlaufstellen brauchen, denn die Zersplitterung des TV-Marktes setzt sich fort.

Nein, die Liga lief nicht immer live im Fernsehen. Im Gegenteil: Wer ein Spiel der 1963 als Profiliga aufgestellten Fußballbundesliga live sehen wollte, der musste in den ersten 28 Jahren Ligabetrieb ins Stadion. Live übertragen – immerhin – im Radio. Und die Zusammenfassungen gab es – wie heute noch – in der ARD-„Sportschau“ und im ZDF-„Sportstudio“. Die allererste Liveübertragung vor 49 Jahren war eine einmalige Sache: Das Saisonfinale 1972 zwischen dem FC Bayern und Schalke 04 (das Bayern 5:1 gewann) wurde von einigen Dritten der ARD übertragen.

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Reinhold Beckmann (r.) gehörte zu den Premiere/Sky-Pionieren am Ball (Foto: Sky)

Dann kam der 2. März 1991, der 19. Spieltag der Saison. Eintracht Frankfurt setzte sich mit 4:3 gegen den 1. FC Kaiserlautern durch – und alle konnten live dabei zuschauen und den damaligen Premiere-Sportchef Reinhold Beckmann als Kommentator erleben: Das war der Auftakt für regelmäßige Liveübertragungen bei Premiere. Mitten in der Saison 1990/91 nahm der Bezahlsender aus Unterföhring damals die Ausstrahlung eines Topspiels pro Woche auf; es wurden zwei (1996), dann drei Spiele pro Woche (1998) und zur Saison 2000/2001 schließlich alle Bundesligabegegnungen.

2009 änderte Premiere seinen Namen zu Sky Deutschland. Und ist seither an den Wochenenden zwischen August und Mai eine Hauptanlaufstelle für Fußballfans.

So lief es bisher für Sky beim Fußball

In der letzten komplett vor Corona gemessenen Saison 2018/19 meldete Sky durchschnittliche Reichweiten pro Spieltag von rund 4,1 Millionen Zuschauern, davon 3,7 Millionen linear und 400.000 via Sky Go.

Geld spült außerdem die Werbung in die Kassen; Liveumfelder vor allem zum Saisonauftakt sind meist schon vorher ausgebucht, die Vor-Corona-Saison 18/19 begann mit, so teilte Sky im Sommer 2018 mit, einem „Umsatzwachstum im Bundesliga-Umfeld vor dem Auftakt im zweistelligen Prozentbereich“. Für die laufende Spielzeit konnte Vermarkter Sky Media neben bekannten Werbepartnern wie Krombacher, Storck und Tipico mit Ferrero und Michelin große Konzerne als neue Sponsoren melden.

Dann legte, fast genau 29 Jahre nach der Premiere bei Premiere, das Virus Corona König Fußball lahm. Zur Unzeit: Sky meldete für das erste Quartal 2020 Umsatz- und Gewinneinbußen. Corona hatte das Problem lediglich verschärft. Der Konzern reagierte, indem er die Abos seiner Sportkanäle pausierte. Zahlende Kund:innen zu verschrecken, das konnte und wollte sich Sky nicht leisten. Streaming-Mitbewerber DAZN waren direkt im März 2020 zahlreiche Kund:innen verlorengegangen – nicht zuletzt, weil es hier keine längeren Vertragsbindungen gibt.

Laut einer Analyse von Volders landet DAZN mit 5 Prozent der Kündigungen auf Platz drei der Kündigungen im Streaming-Markt (Paid Content). Sky war die Plattform mit den meisten Kündigungen (29 Prozent), gefolgt von RTLs TV NOW ( 12 Prozent). Der Vertragsmanager Volders wertete über 52.000 Kündigungen von TV-Streaming-Anbietern 2020 und zusätzlich Bewertungen auf Trustpilot und im AppStore aus.

Nicht nur im Corona-Jahr, in dem die Streaming- ebenso wie die generelle Mediennutzung zugenommen hat, müssen viele Verbraucher sparen. Das ist der am häufigsten genannte Grund für die Kündigung der Abos. Bei DAZN wird außerdem die Empfangsqualität bemängelt. Sky hat dagegen der Befragung zufolge mit einem ungünstigen Preis-Leistungs-Verhältnis zu kämpfen.

 

Fußball-TV im Umbruch – jenseits von Corona und Cocooning

Doch selbst in Corona-Zeiten erlebte Sky – nach zwei Monaten ohne Bundesligaspiele, der ersten Unterbrechung des Ligabetriebs in seiner Geschichte – Lichtblicke: Als die Bundesliga vor leeren Rängen wieder loslegte, feierte der Anbieter gleich mal den „reichweitenstärksten Bundesliga-Samstag der Sendergeschichte“. Nicht zuletzt, weil Sky großzügig auf seinem frei empfangbaren Sportkanal sendete, schauten 3,81 Millionen Zuschauer Konferenz und Einzelspiele um 15:30 Uhr am 16. Mai (Marktanteil: 27,2 Prozent). Und laut dem damaligen Sportchef Jacques Raynaud (ab ca. 55:50 Min) bescherte der 3. Spieltag einen neuen Rekord mit 5,7 Millionen Zuschauern. Die Menschen schauen mehr fern – davon profitierte auch Fußball im Fernsehen.

Weitere Veränderungen jenseits von Corona, Geisterspielen und Cocooning werden zum Herbst hin wirksam: Sowohl Bundesliga als auch Champions League haben seit Ende 2019 die Fernsehrechte turnusgemäß neu verteilt. Sky muss daher ab Spätsommer 2021 auf einige Spiele verzichten.

Und auf bekannte Gesichter: So wechselt rechtzeitig zum Saisonübergang die Sportmoderatorin Esther Sedlaczek nach zehn Jahren bei Sky zur ARD-„Sportschau“. Sie ist die Nachfolgerin von Matthias Opdenhövel, der seinen Vertrag nicht verlängert. „Zum ersten Mal haben wir ab Sommer im 18-Uhr-Team am Samstag mehr Moderatorinnen als Moderatoren im Einsatz“, sagt der ARD-Vorsitzende Tom Buhrow. Sky hat dafür zwei Frauen weniger: Außer Sedlaczek geht auch Jessica Libbertz. Die Moderatorin verlässt Sky nach 17 Jahren auf eigenen Wunsch, und will sich neuen Projekten widmen.

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Sky-Gewächs Esther Sedlaczek wird ab August zum ARD-Gesicht. (Foto: ARD/Nadine Dilly)

Die Arbeit bei Sky wird hingegen ein bisschen weniger, was den Fußball angeht: Der Sonntag mit 66 Partien entfällt. Aktuell zeigt Sky im Bundesliga-Paket alle Samstags- und Sonntagsspiele, das sind 266 der 306 Begegnungen der ersten Liga; sowie im Sport-Paket die meisten Uefa-Champions-League-Partien mit deutscher Beteiligung.

Ab der kommenden Saison 2021/22 laufen bei Sky noch 200 Samstagsspiele der ersten Liga. Der Streaminganbieter DAZN hat sich zusätzlich den Sonntag geschnappt und damit sein Angebot ausgebaut (bisher 40 Partien; künftig 106) – und schon mal den Preis erhöht: Das Monats-Abo kostet inzwischen 11,99 Euro im Monat statt vor (bis 2020: 9,99 Euro). Kostenlos zu sehen sein werden die drei Spiele am 1., 17. und 18. Spieltag, die Sat.1 linear, online und beim Streaming-Ableger Joyn zeigen darf. Bei Sky kostet das Paket Bundesliga derzeit 30 Euro monatlich.

 

Ende der Königsklasse

Bei der Champions League ist Sky ganz raus; die Spiele gehörten zusammen mit Formel 1 oder Tennis und Golf zum Paket Sport (regulär 22,50 Euro/Monat). Den Rennsport im Paket baut Sky aus; am 12. März geht der Motorsportkanal Sky Sport F1 auf Sendung. Hier werden die Liverennen an 23 Formel-1-Wochenenden ausgestrahlt.

Die Rechte für die Champions League hingegen liegen ab Ende 2021 bis 2023/24 bei DAZN, Amazon und ZDF. Das Endspiel läuft jeweils frei empfangbar im Zweiten und auf DAZN. Der Sportstreamer hat die exklusiven Rechte an 121 der 137 Spiele inklusive Finale, lediglich das jeweilige Topspiel am Dienstagabend (16 Spiele) darf Amazon Prime Video zeigen. Amazon hat noch keinen Preis für das Dienstagsspiel genannt; derzeit kostet das 69 Euro.

Die Liveübertragung von Fußball im Fernsehen, heute für die meisten Fans eine Selbstverständlichkeit, wird uns also erhalten bleiben. De Zahl der Anbieter, bei denen die Zuschauer:innen dann ein Abo brauchen, wenn sie am Ball bleiben wollen, wird vermutlich zunehmen.


Mit dem Sportjahr 2020/21 beschäftigten sich die Profis auch auf den digitalen Medientagen: Hier geht es zum Sportgipfel, moderiert von Anna Kraft, unter anderem zur Bundesliga mit Axel Balkausky, ARD, Jacques Raynaud, damals Sportchef bei Sky Deutschland, und Christian Pfennig, Deutsche Fußball-Liga (ab 52:45 Min.). 

 

 


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