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9 Wege zum besseren Umgang mit Social Media

4. März 2021

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Facebook, Twitter oder YouTube sind inzwischen mächtige Instrumente der Meinungsmache. Die Social Networks prägen den gesellschaftspolitischen Diskurs und die Demokratie – im Guten, aber auch im Schlechten mit Desinformation oder Hassrede. Gerade nach der Ära Donald Trump stellt sich die Frage, was wir für einen positiveren Social-Media-Dialog tun können und mit welchen Content-Strategien sich Menschen erreichen lassen.
Wichtige Denkanstöße gaben Expert:innen bei der vierten Ausgabe der #MTMdigitalks.

This is social media now - was Medien, Politik und Gesellschaft heute für die Demokratie tun müssen": Passend zum Titel der aktuellen Ausgabe der Online-Reihe der MEDIENTAGE MÜNCHEN stellte Dr. Wolfgang Gründinger eine These in den Raum: „Die Schuld für alles, was falsch läuft, allein Twitter und Facebook zuzuschieben, lenkt ab von tieferen gesellschaftlichen Problemen.“

Dem Digitalvordenker und Zukunftslobbyist stieß im Zusammenhang mit den Gewaltexzessen am 6. Januar im US-Capitol auf, dass die amerikanischen Behörden trotz Vorabkenntnis der Vorgänge aus Informationen in sozialen Netzwerken nicht eingeschritten seien. Der Bann gegen Ex-Präsident Donald Trump und rechte Anhänger auf Twitter und Facebook habe Parler ausgeglichen, diverse klassische Medien hätten davor und danach nicht die Stimme dagegen erhoben. Gründinger forderte alle gesellschaftlichen Kräfte dazu auf, Rechtsextreme nicht mehr zu verharmlosen. In den USA ebenso wie in Europa und Deutschland.

Martin Fehrensen, Herausgeber und Autor Social Media beim Watchblog sowie Kolumnist des Wirtschaftsmagazins brandeins, stufte Marken wie Facebook, die zum Wachstum verbannt sind, nicht als „Demokratiebeschleuniger“ ein. Vorrangig seien die Social Networks Werbeplattformen in Händen ehrgeiziger Milliardäre, die dem Diktat von „Content, Content, Content“ unterliegen würden. Ähnlich wie Gründinger sah Fehrensen alle Parteien in der Verantwortung, um das Social Web zu einem besseren Ort zu machen.

Gründinger, Fehrensen, Moderator Richard Gutjahr und weitere Expert:innen zeigten diverse Lösungsansätze auf:

  1. Justiz und Polizei sollten Hass im Netz und rechtsextreme Tendenzen ernst nehmen.
    Gründinger beim #MTMdigitalk: „Bei Kevin Kühnert stapeln sich Morddrohungen, die Polizei macht nichts. Da hilft nur die harte Hand des Rechtsstaats.“
  2. Die Plattformen sollten ihrer Aufsichtspflicht nachkommen.
    Gründinger räumte ein, dass bei Hassrede Plattformen schon auch verloren sein dürften. Aber im konkreten Fall des Sturms auf auf das Capitol hätte der Wissenschaftler den Einsatz von mehr Content-Moderator:innen empfohlen – fünf bis zehn Mal mehr Leute, besser bezahlt, mit der Option, Fake News kenntlich zu machen.
  3. Qualitätsmedien sollten digitale Räume besetzen.
    Martin Fehrensen verwies hier auf die aus seiner Sicht auf die „tolle Leistung“ der ARD. Patrick Weinhold, Redaktionsleiter Social Media bei der „Tagesschau“ im Team ARD aktuell, bestätigte bei der Videokonferenz den Bedarf an hochwertigen News in Sozialen Netzen. Wobei sein Tätigkeitsfeld ein hoch dynamisches ist: Vor allem junge TV-Nutzer:innen verlagerten sich erst zu Facebook, dann hin zu Instagram und nun zu TikTok. Und auch wenn dort die Marke „Tagesschau“ fürs Wecken des Interesses schon mal mit Augenzwinkern agiert – bei TikTok steht das enge Nachrichtenverständnis im Vordergrund. Weinhold: „Es geht am Ende des Tages darum, den Zugang zu den jungen Menschen zu finden. Wir müssen reinhören.“ Danach entscheidet sich das Format. Täglich. „Das ist Journalismus at its best.“
  4. User sollten eigenverantwortlich handeln.
    Martin Fehrensen nannte es im Rahmen des #MTMdigitalks „Überprüfen, was mir das bringt und was die Plattform mit mir macht.“ Der Einzelne sollte aufhören, Opfer der Aufmerksamkeitsökonomie zu sein. „Ich würde mich freuen, wenn wir von dieser Ellbogengesellschaft loskämen und es wäre wunderbar, wenn sich das in sozialen Medien spiegeln würde“, meinte der Watchblogger. Prof. Dr. Diana Rieger, Professorin für Kommunikationswissenschaft am IfKW am der LMU München, ermutigte zu offenen Worten im Netz: „Gegenrede erhöht die Chance, dass Hassrede leiser wird.“ Jeder User könne etwas tun, damit „Hass nicht als Hauptmeinung wahrgenommen wird“.
  5. KI kann den positiveren Dialog fördern.
    Maschinenunterstütztes Moderieren von Kommentaren: Hannah Monderkamp, Leiterin Audience Development bei der Rheinischen Post, stellte bei der Online-Veranstaltung das KI-Projekt MODERAT gegen Hate Speech vor, das zusammen mit der Uni Münster entwickelt wurde. Darüber laufen die RP-Kommentare, Hassrede wird vorgefiltert. Vor allem wegen nicht sachlicher Diskussion würden Anmerkungen gesperrt, berichtete Monderkamp. Und: Nur wenige und immer die gleichen „Trolle“ steckten hinter dem Hass. 
  6. Neue politische und rechtliche Handhaben müssen her.

    Dazu zählt das kürzlich vorgelegte EU-Gesetzespaket mit zwei Ansätzen: das Gesetz über digitale Dienste (Digital Services Act, DSA) und das Gesetz über digitale Märkte (Digital Markets Act, DMA). Im DSA geht es vor allem um gesellschaftliche Fragen, im DMA ums Geschäft. Für Prof. Dr. Wolfgang Schulz, Direktor des Leibniz-Instituts für Medienforschung, Hans-Bredow-Institut (HBI), kein Allheilmittel. Das DSA könnte au seiner Sicht in eine EU-Verordnung münden, die als Rahmen und Vorbild für andere Regionen dienen könnte – mit dem Vorteil, dass es auch endlich für die kommerziellen Plattformen klarer werden könnte, welche Inhalte eigentlich gelöscht werden müssten. „Dafür gibt es noch keine richtigen Instrumente“, bedauerte der Wissenschaftler.

    Sabine Frank, Head of Governmental Affairs and Public Policy für YouTube DACH/CEE, machte das aktuelle Vorgehen beim Konzern selbst fest: „Wir haben eine Strategie der Verantwortung, um gegen solche Inhalte vorzugehen.“ Man orientiere sich am allgemeinen Recht, aber auch am Hausrecht wie etwa bei Fake News rund um Corona. Im Gegenzug arbeite Google daran, die Auffindbarkeit verlässlicher Nachrichten bei seiner Videoplattform YouTube weiter zu erhöhen.

  7. Die Plattformen müssen Alternativen entwickeln.
    Hier verwies Guido Bülow, Head of News Partnerships Central Europe bei Facebook, unter anderem auf den Deutschland-Start von Facebook News im Mai – „als weiteres Investment in Journalismus“ und als „dezidierter Ort für Nachrichteninhalte“, der für die ganze Bandbreite an Medienangeboten stehen solle. Daneben betonte Bülow: “Wir haben überhaupt kein Interesse an Hassrede auf der Plattform.“ Inzwischen gebe es bei Facebook 35.000 Moderator:innen, die gemeldete zweifelhafte Inhalte zu über 90 Prozent tilgen würden.
  8. Für wichtige Botschaften sollten Anbieter auch mal auf (die richtigen) Influencer:innen setzen.
    Louisa Dellert, Autorin und Influencerin mit gut 450.000 Followern auf Instagram, bezeichnete sich bei der Videokonferenz als „digitale Schwester für Follower“, die sich inzwischen auch für politisch relevante Themen stark macht. Klassische Medienanbieter sollten in sozialen Räumen mehr Persönliches von sich preisgeben oder Influencer einsetzen, um so mehr Stimmgewalt in Social Media zu erlangen, lautete ihr Rat.

  9. Wir alle sollten lernen, mit den Plattformen umzugehen.
    Am besten „von der Kita bis ins Altersheim“, schlug Martin Fehrensen vor. „Social Media betrifft uns alle!“

Die vierte Ausgabe der #MTMdigitalks, Online-Reihe der MEDIENTAGE MÜNCHEN, rund um das Wechselspiel von Social Media und Demokratie ist hier abrufbar.


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